Nutzung: Stielmus (Brassica rapa var. rapa) – häufig auch Rübstiel genannt – hat vor allem in Westfalen, im Rheinland sowie in Teilen der Niederlande eine lange Tradition. Im Ruhrgebiet war er bis in die 1970er Jahre noch in vielen Gärten der Bergleute anzutreffen. Das Gemüse stellt sehr geringe Ansprüche an Boden und Klima. Wegen seiner extrem kurzen Wachstumszeit ist es eines der ersten Freilandgemüse im Frühjahr. Schon ab Ende April kann geerntet werden. Verwendet werden nur die Blattstiele – und zwar die der Mai- oder Herbstrübe. Selbst die Blätter wurden vor dem Kochen durch Abstreifen („Streifmus" oder „Strippmus") entfernt, da sie meist hart, rau und bitter waren. Bei neueren Züchtungen können sie mitgegessen werden.
Für die Herbstkultur wird Mitte September dicht ausgesät. Etwa fünf bis sieben Wochen nach der Aussaat können die 10 bis 15 cm hohen Blättchen geschnitten werden. Sollten sich bereits kleine Rübchen gebildet haben, können diese wie Radieschen mitgegessen werden. Das Gemüse wird ähnlich wie Spinat oder Mangold verwendet. Ein Klassiker in Westfalen ist der Rübstiel-Eintopf mit Kartoffeln und Rindfleisch. In den Niederlanden ist Stielmus häufig Bestandteil von „Stamppot" – einer Mischung aus gedünstetem Rübstiel, Stampfkartoffeln und gebratenem Speck.
Stielmus enthält viel Vitamin C und Provitamin A, gesundheitsfördernde Senfglycoside sowie zahlreiche Mineralstoffe.
Beim Teltower Rübchen handelt es sich um eine regionale Selektion der Herbstrübe. Die außergewöhnlichen kleinen Rübchen werden überwiegend in der Gegend rund um die Stadt Teltow in Brandenburg seit dem 17. Jahrhundert angebaut. Sie wurden als Folgekultur nach der Getreideernte ausgesät, um im Winter zusätzliche Nahrung zu haben. Bekanntheiten wie Napoleon, Goethe, Kant oder Fontante konnten sich sehr für das delikate Rübchen erwärmen, sodass das Wurzelgemüse nach und nach zu einer Delikatesse aufgewertet wurde. Seit 1994 ist der Name "Teltower Rübchen" durch ein Patent geschützt.
Die Rübchen sind kegelförmig, etwa 7 cm lang und 3 bis 4 cm dick, mit hellbeigem Fleisch. Die traditionell übliche Saatzeit - für die Ernte Okt./Nov. - ist Anfang bis Mitte August. Es kann aber auch im Frühjahr ab Mitte März - für die Ernte Mai/Juni - ausgesät werden. Wenn man die Rübchen über Winter in feuchten Sand einschlägt, lassen sie sich sehr lange lagern.
Die Teltower Rübchen werden etwa 15 Minuten in Salzwasser bissfest gekocht und mit etwas Zucker, Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Sie eignen sich als Beilage zu Fleischgerichten, können aber auch als Gratin zubereitet oder roh in Salaten verwendet werden.