"Rüböl (Rapsöl): Zwei botanisch verwandte, zur Familie der Kreuzblütler zählende Arten liefern in ihren Samen ein Fett mit nahezu identischer Zusammensetzung: Brassica napus var. napus (Raps, Ölraps) und Brassica rapa var. silvestris ssp. oleifera (Rübsen, Ölrübsen).
Der kleinere Rübsen benötigt eine kürzere Vegetationsperiode, er ist widerstandsfähiger gegen Frost, Krankheiten und Schädlinge. Das Öl ist in den Keimblättern der Samen lokalisiert.
Das aus Raps und Rübsen gewonnenen Rohöl ist bräunlich gefärbt und von stechendem Geruch, bedingt durch seinen Gehalt an Allylsenföl. Durch geeignete Verfahrenslenkung gelingt es heute, das für die Spaltung der Glucosinolate verantwortliche Enzym zu inaktivieren. In geringem Umfang trotzdem gebildete Senföle werden bei der Raffination vollständig beseitigt.
Die chemische Zusammensetzung des Rüböls hängt stark von der Sorte ab. Neue Züchtungen liefern Öle mit unter 2% Gehalt an gesundheitsschädlicher Erucasäure.
Den Hauptteil an Rüböl verwendet die Industrie für technische Zwecke, vor allem zur Gewinnung einer elastischen Masse durch Erwärmung mit Schwefel auf 150-180°C, die als Füllmaterial des Kautschuks zur Herstellung von Gummiwaren gebraucht wird; sodann Schmieröl, Lederöl und Brennöl.
Erucasäurefreies, raffiniertes Rüböl ist als Speiseöl verwendbar."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)