"Schwarzer Senf: Die Droge stammt von Brassica-Arten ab, hauptsächlich von: Brassica nigra, B. integrifolia und B. cernua. Die Samen der verschiedenen Arten sind sich ziemlich ähnlich, die harte Samenschale ist rotbraun bis violett.
Senfsamen enthalten 30% fettes Öl, das - wie das Rüböl - aus Glyceriden der Erucasäure und wenig Öl- und Linolsäureglyzeriden besteht. Weitere 30% des Samengewichts entfallen auf Proteine (Globuline). Weißer Senf enthält reichlich Schleim, und zwar lokalisiert in der Samenepidermis: Beim Einweichen der Samen in Wasser quillt die Epidermis zu einer dicken weißen Schleimschicht auf. Demgegenüber ist der Schleimgehalt des schwarzen Senfs geringer.
Senfmehl besteht aus entölten und gepulverten Senfsamen, entweder nur aus schwarzen Senfsamen oder aus einem Gemisch von schwarzem und weißem Senf. Verwendet wird das Pulver zu hautreizenden Umschlägen und zu Fußbädern. Es darf aber nur kurze Zeit auf der Haut belassen werden, weil Allylsenföl sonst tiefer in die Hautschichten eindringt und Blasenbildung mit schlecht abheilenden Geschwüren verursacht.
Senf ist ein viel verwendetes Gewürz. In Tierexperimenten wurde eine ganze Reihe pharmakologischer Wirkungen entdeckt: Steigerung der Speichelmenge und der Amylaseaktivität, Steigerung der Magensaftsekretion und der Darmmotorik, Anregung der Gallenblasenmotorik, antibakterielle Wirkung, Vergrößerung des Herzschlagvolumens, Blutdrucksteigerung, örtliche Gefäßerweiterung, Senkung der Thrombozytenzahl und Aktivierung der Fibrinolyse."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Senfsamen: Darunter vesrsteht man die reifen getrockneten Samen von Brassica nigra. Sie sind geruchlos, schmecken beim Kauen zunächst ölig, dann brennend scharf. Mit Wasser zerstoßen riechen sie nach Allylsenföl. Durch Auspressen der vermahlenen Senfsamen erhält man fettes Senföl und entfettetes Semfmehl. Senföl wird für technische Zwecke verwendet, es kann aber auch als mildes Hautreizmittel genutzt werden. Senfmehl ist das Ausgangsmaterial zur Herstellung des natürlichen Allylsenföls.
Senfmehl ist in Form eines Fußbades oder Senfwickels ein im Rahmen physikalischer Therapieverfahren häufig angewandtes Hautreizmittel. Fußbäder sind indiziert als Zusatztherapie bei Hypertonie, auch bei spastischen Gefäßveränderungen im Bereich der unteren Extremitäten. Gegenindikationen sind: Venenleiden, entzündliche Hauterkrankungen und Verletzungen. Für Senfwickel und Senfpackungen wird Senfmehl mit lauwarmem Wasser zu einem Brei angerührt, auf eine Mullkompresse gestrichen und auf die vom Arzt bestimmte Stelle aufgelegt. Je nach Empfindlichkeit - max. nach 15 min - entfernen und die betreffende Hautstelle abwaschen. Die Therapie wird u.a. bei Lungenaffektionen (trockener Rippenfellentzündung) angewandt. Gegenindikationen wie bei Fußbädern.
Senfpapier ist ein Papier, das mit Senfmehl überzogen ist. Man taucht es in lauwarmes Wasser, ehe man es auf die Haut auflegt. Max. 15 min auf der Haut belassen. Als Hautreizmittel auf die den zu beeinflussenden inneren Organen entsprechenden Head-Zonen auflegen, auch bei Rheuma."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Allylsenföl: Zur Gewinnung werden die Senfsamen von den fetten Ölen befreit, das entfettete Senfmehl wird, um die enzymatische Hydrolyse des Sinigrins (einer Vorstufe des Allylsenföls) zu ermöglichen mit Wasser angerührt und mehrere Stunden sich selbst überlassen. Das sich während dieser Fermentation unter dem Einfluss der Myrosinase bildende Allylsenföl wird abdestilliert. Es handelt sich um eine farblose, bei längerem Aufbewahren sich gelb verfärbende Flüssigleit von scharfem, zu Tränen reizendem Geruch, auf der Haut blasenziehend.
Die Droge bzw. ätherisches Senföl wird nur lokal und verdünnt in alkoholischer Lösung angewendet (Spiritus Sinapis DAB6). Örtlich entsteht in den dem Hauptsegment entsprechenden inneren Organen und Geweben eine Hyperämie, welche Exsudate rascher aufsaugt und daurch Schmerzen mildert. Senföl gehört zu den stärksten Hautreizmitteln. Bei Anwendung zu hoher Konzentrationen oder bei zu langer Einwirkung kommt es zu unerträglich heftigen Schmerzen und zu irreversibler Schädigung des Gewebes. Auf die Schleimhäute von Auge und Nase wirken allein schon die Dämpfe reizend. Bei entsprechend langer Einwirkungsdauer können sich auf der Hornhaut zahlreiche feinste Bläschen bilden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)