"Anis: Unter Anis versteht man die getrockneten Spaltfrüchte (Doppelachänen) von Pimpinella anisum. Im östlichen Mittelmeer beheimatet, wird Anis heute in der ganzen Welt angebaut.
Die graugrün gefärbten, fein gerippten, 2-5 mm langen Früchte riechen angenehm würzig und schmecken aromatisch süß. Sie enthalten ätherisches Öl (2,6%) mit trans-Anethol als Hauptkomponente.
Anis dient als Gewürz für Brot, Backwaren und eingemachte Früchte, ist Bestandteil von industriell hergestellten Teemischungen (Brust- und Hustentees, Abführtee und karminativ wirkende Tees) und Ausgangsmaterial zur Gewinnung von Anisöl."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Anisöl: Darunter versteht man das ätherische Öl von Pimpinella anisum und von Illicium verum. Es ist eine farblose Flüssigkeit, die zur Kristallisation neigt. Geschmack und GEruch sind aromatisch und süß.
Mit einem Anteil von 80-95% ist das trans-Anethol Hauptbestandteil, begleitet von einer isomeren Verbindung (Methylchavicol), sowie von geringen Anteilen Anisketon, Anissäure und Monoterpenkohlenwasserstoffen. Die im Handel erhältlichen Anisöle stellen meist synthetisches Anethol dar; andere Anisöle stammen von Sternanis. Beim synthetischen Öl besteht die Möglichkeit, dass es mit cis-Anethol verunreinigt ist. Das cis-Anethol ist 20-30mal giftiger, als das trans-Anethol. Auch echtes Anisöl kann cis-Anethol enthalten, wenn es nicht lichtgeschützt aufbewahrt wird (UV-Lichtreaktion).
Anisöl wird zur Aromatisierung von Süß- und Backwaren, sowie von Spirituosen (Pernod, Raki, Ouzo, Anisette) verwendet. Ähnlich in der Pharmazie als Geruchs- und Geschmackskorrigens, z.B. als Bestandteil des Liquor Ammonii anisati oder zum Aromatisieren von Extrakttees (Instanttees); ferner als Bestandteil von Hustensäften, Hustentropfen und Hustenpastillen.
Anisöl wirkt auf den isolierten Muskel spasmolytisch. Daher kann es bei leichteren Darmspasmen (Bauchweh) als Karminativum nützlich sein. Am Versuchstier zeigt es choleretische Wirkung. Nach Zufuhr von sehr geringen Dosen kommt es bei Katzen oder Kaninchen zur vermehrten Ausscheidung von Bronchialsekret; auch ist die Viskosität des Sekrets herabgesetzt. Somit kann die expektorierende Wirkung des Anisöls als gesichert gelten. Beim Menschen wird die wirksame Einzeldosis auf 0,05-0,25 g (das sind 1-5 Tropfen; nicht unverdünnt einnehmen) geschätzt.
Anisöl soll wegen lokal hyperämisierender Wirkungen nicht unverdünnt eingenommen werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Anethol: ist der Hauptbestandteil des Anis-, Sternanis- und Fenchelöls; es ist auch synthetisch zugänglich. Anethol bildet eine weiße bis leicht gelb gefärbte kristalline Masse, die süß schmeckt und nach Anis riecht. Als Reinstoffpräparat ist ein Hustensirup auf dem Markt. Einzeldosis für Erwachsene etwa 200 mg. Die zeitweise Zufuhr von 2,5 mg Anethol/kg KG gilt als unbedenklich."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)