"[II.180. - Zwiebeln] - Allium cepa (Liliaceae) - Gemeine Zwiebel, Küchenzwiebel
Die Zwiebel [die Einen nennen sie Polyeidos, die Propheten Kalabotis,
die Römer Cepa], die lange ist scharfer als die runde, die gelbe mehr als
die weisse, die trockene mehr als die graue, und die rohe mehr als die gekochte und die eingemachte. Sämmtlich sind sie aber beissend und blähend,
sie reizen den Appetit, verdünnen, erregen Durst, verursachen bei Magenüberfüllung Ekel, reinigen, sind gut für den Bauch, eröffnen den Weg zur
Ausscheidung der übrigen Auswurfstoffe und für die Hämorrhoiden. Abgehäutet und in Oel getaucht werden sie als Zäpfchen eingelegt. Der Saft
mit Honig eingesalbt hilft gegen Stumpfsichtigkeit, gegen Flimmern,
auch gegen entstehende Flecken auf den Augen und eingestrichen gegen
Entzündung der Schlundmuskeln. Er befördert und treibt die Menstruation, eingespritzt reinigt er durch die Nase den Kopf. Bei Hundsbiss
hilft er als Umschlag mit Salz, Raute und Honig. Mit Essig in der
Sonne eingerieben entfernt er weisse Flecken. Mit gleichviel Spodium
heilt er Augenkrätze und mit Salz Finnen. Mit Hühnerfett wird er gegen
Druck der Sandalen gebraucht, auch gegen Bauchfluss, Schwerhörigkeit,
Ohrenklingen und eiterflüssige Ohren; er dient gegen Anhalten der
Feuchtigkeit (des Wassers) in den Ohren und eingerieben gegen Fuchskrankheit, denn rascher als Alkyonium ruft er Haare hervor. Im Uebermass genossen verursacht die Zwiebel Kopfschmerzen, gekocht wird
sie harntreibender. Bei krankem Zustande bewirkt ihr reichlicher Genuss
Schlafsucht. Endlich reift und öffnet sie mit Rosinen und Feigen gekocht als Umschlag Geschwüre."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)