Cistus creticus
"Die Cretische Cistenrose gehört zu den am häufigsten in den botanischen Gärten vorkommenden Arten. ... Man leitet von
ihr und andern unten zu beschreibenden Formen die unter dem Namen Ladanum, Ladanum Resinense seu
Gummi Ladanum gesammelte, schon bei Dioscorides erwähnte Substanz ab. ... Das Einsammeln des Ladanum
auf Creta wurde schon von Belon und neuerdings
von Sieber beschrieben, am ausführlichsten von Sieber. Tournefort
gelang es nur mit Mühe Augenzeuge davon zu sein, während Sieber von der Schwierigkeit es zu sehen nichts
erwähnt. Nach den übereinstimmenden Berichten der drei genannten Reisenden bedient man sich zum Einsammeln
eines eigenen Instrumentes ,
dessen Gestell einem Rechen ähnlich sieht. Statt der
Zähne sind aber eine Menge (oft mehrere Hundert) aus rohem Leder geschnittenen Riemen parallel nebeneinander befestigt,
die lang herabhängen , ... Mit diesem Instrument
fährt man über die Cistenstücke hin und her, damit sich das von denselben ausgeschwitzte Harz den Riemen anhänge,
von denen man es mittelst eines Messers abschabt, dann in Kugeln formt urul diese in Lorbeer- oder Johannisblätter
(wohl Blätter des Johannisbrodbaum , Ceratonia Siliqua) wickelt. Die für das Einsammeln günstigste
Zeit sind die heißen Sommermonate, namentlich der Juli und August, und von den Tageszeiten die Mittagszeit von
10 bis 2 Uhr. Durch die Jahreszeit und Tageszeit, so wie durch die große Anstrengung, welche die Handhabung
des Instrumentes nothwendig macht, wird das Sammeln ein sehr mühsames Geschäft, dem sich aber nicht bloß die
Mönche, wie man gewöhnlich angiebt, sondern auch die Landleute unterziehen. Das bei und nach ruhigem, windstillen
Wetter gesammelte Ladanum ist verhältnismäßig das reinste, obgleich es natürlich nie ganz rein sein kann,
da die Sträucher stets mehr oder weniger von Schmutz bedeckt sind, der sich ins Harz um so leichter festsetzt.
Ueberdies muss auch das dem Instrument anhängende Harz, wenn die Riemen desselben, wie dies gewiss sehr häufig
geschieht, den Boden berühren, mehr oder weniger Unreinigkeiten aufnehmen, daher wird von felsigen, staublosen
Plätzen und von hohen Sträuchern eine reinere Sorte erhalten werden können. ...
Früher, vielleicht hie und da auch noch
jetzt, wie man aus Guibourts Angaben schließen möchte, erhält man auch durch Auskämmen der Haare, besonders
der Kopf- Bart- und Fußhaare, der in den Cistusgebüschen weidenden Ziegen Ladanum, daher der Name Ladanum e barbet für eine Ladanum Sorte. Diejenigen Sträucher, auf deren Wurzeln der Cytinus hypocistis stark
wuchert, kränkeln, werden gelb und liefern schlechtes Ladanum. Nach Lamarck soll man nicht bloß auf Creta,
sondern auch auf andern Inseln von der beschriebenen Pflanze Ladanum sammeln."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)
Cistus cyprius
"Der Cistus cyprius wurde früher gewöhnlich mit Cistus ladaniferus verwechselt und erst
durch Lamarck unterschieden. ...
Man leitet von ihm, ebenso wie vom Cistus creticus , die bessern, wohlriechenden Sorten
von Ladanum her, namentlich die, welche als Ladanum in massis und Ladanum in tortis in den
Handel kommen. Um Laudanum von ihm zu erhalten, soll man auf ähnliche Weise verfahren wie bei
Cistus creticus angegeben wurde. Auch deutet das bereits in der Beschreibung erwähnte reichliche
Vorkommen einer harzigen, angenehm riechenden, klebrigen Ausschwitzung auf den jüngeren Aestchen
und Blättern, die sogar im Winter in unsern Treibhäusern an der Pflanze wahrgenommen wird, auf
ein noch reichlicheres Hervortreten in einem heißen Klima.
Die beste, nur selten im Handel vorkommende Sorte von Ladanum Ist gegenwärtig das Ladanum
in massis (Ladanum in Massen), eine schlechtere das Ladanum in tortis (Gewundenes Ladanum).
Man erhält das Ladanum in massis in mehr oder minder großen, bis 25 Pfund wiegenden
Klumpen, die in Blasen oder Blättern (Lorbeerblättern oder Blättern vom Johannisbrotbaum) eingehüllt
sind. Es zeigt eine dunkel-rothbraune oder fast schwarze Farbe, riecht angenehm stark balsamisch
ambraähnlich und schmeckt bitter balsamisch und reizend. Es besitzt die Consistcnz eines Pflasters,
erweicht sich, dem Pech ähnlich, zwischen den Fingern und erscheint dann klebrig. Der grauliche
Bruch wird bald schwarz. Am Licht entzündet es sich leicht und brennt mit heller Flamme. Bewahrt
man es länger auf, so trocknet es aus und wird spröde und porös. Weingeist löst dasselbe leicht
und soll davon eine goldgelbe Farbe erhalten. Die zweite Sorte, das gewundene Laudanum (Ladanum
in tortis) bildet die gewöhnlich im Handel vorkommende Ware. ...
In ältern Zeiten galt das Ladanum als nervenstärkendes, auflösendes und beruhigendes Mittel.
Schon Dioscorides rühmt es gegen Husten, Gliederschmerzen und als Zusatz zu erweichenden Pflastern.
Man bereitete daraus eine Tinctur (Tr. Ladani) und setzte es mehreren reizenden Salben und
Pflastern zu. Gegenwärtig kommt es nur noch zu Räucherpulvern und Räucherkerzchen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)
Cistus ladaniferus (Cistus ladanifer)
"In Portugal und Spanien bildet der Cistus ladaniferus häufig große Gebüsche und wird als
Brennholz benutzt. Er ergötzt eben so sehr durch seinen lieblichen Geruch als durch die Schönheit
seiner Blumen. ...
Die uns vorliegenden, getrockneten, in Portugal gesammelten Exemplare sind stark klebrig und
durch das in reichlicher Menge ausgeschwitzte Harz glänzend. Sie riechen eigentümlich angenehm
aromatisch, so dass das von ihm gesammelte Harz eben keine schlechte Sorte zu sein scheint. Dennoch
soll nach der Angabe mehrerer pharmakognostischcr Schriftsteller durch Auskochen der Zweige von
ihm nur eine geringere, weniger wohlriechende Sorte Ladanum erhalten werden, die in Stäben, ähnlich
dem Lakrizensaft, als Ladanum in baculis vorkommt."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)
Cistus ledon
"Von Cistus Ledon soll durch Auskochen der Zweige und Blätter in Spanien und dem südlichen
Frankreich, ebenso wie aus C. Ladaniferus und C. laurifolius , eine Sorte Ladanum erhalten
werden, welche als Ladanum in baculis vorkommt. Es enthält starke Beimischungen von Unreinigkeiten,
namentlich erdige Theile und riecht weniger angenehm als das Cretische. Doch ist wohl sein
Geruch nicht immer gleich unangenehm, wenigstens nicht, wenn bloß C. Ledon und ladaniferus benutzt
werden, da das Harz dieser Arten so angenehm wie das von C. cyprius riecht, während der
Geruch des Harzes vom C. monspeliensis, der C. Ledon sehr ähnelt, allerdings weniger angenehm ist...."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)