Cinnamomum zeylanicum cordifolium (Cinnamomum verum)
"Von dem Cinnamomum zeylanicum erhalten wir die Rinde, welche man braunen Canel, zeylonischcn, echten, oder langen Zimmet, Canella zcylanica, Cortex Cinnamomi zeylanici, veri, longi s. aculi, nennt. Sie ist sehr dünne, oft kaum von der Dicke eines starken Papiers, röhrenförmig zusammengerollt und mehrfach ineinander geschoben, so, dass sie Röhren von drey Fuß Länge bildet, die einen Querdurchmesser von 1/2 bis 1/4 Zoll haben. Man bemerkt an ihr den Mangel der Oberhaut, dennoch aber ist die äußere Seite ziemlich glatt und zeigt sich dabey von gelblichem Braun (Zimmetbraun) mit mehr oder weniger hellen und dunklen Fleckchen und feinen, weißlichen, aus äußerst feinen, einfachen Fasern bestehenden Längsstreifen, die ohne Ordnung die Oberfläche durchlaufen, in Äste sich vertheilen und sich wieder vereinigen. Die innere Seite ist dunkler, ziemlich eben, und lässt schon bey einer schwachen Vergrößerung in der Textur des Bastes das Prosenchym als Längsstreifen, und das Actinenchym oder die Markstrahlen als kleine Höcker wahrnehmen. Der Längenbruch ist uneben, der Querbruch durch den Bast etwas faserig. — Die vorwaltenden Bestandteile sind ätherisches Öhl und eisengrünender Gerbestoff. ...
Der Geschmack ist erhitzend, heiß und mit allem dem angenehmen Gewürzhaften, was auch durch den Geruch sich zu erkennen giebt, verbunden. Außer dem Zimmctöhle, Oleum Cinnamomi, das gewöhnlich aus Zeylon zu uns gebracht wird, kommen als Zubereitungen noch Zimmetwasser, einfaches und geistiges, Zimmettinctur und Zimmetsyrup, Aqua Cinnamomi simplex et vinosa, Tinctura et Symipus Cinnamomi, vor.
Der Zimmet gehört, wie alle Gewürze, zu den reizenden, erhitzenden und blähungtreibenden Mitteln, doch ist sein Reiz milderer Art. Als Pulver giebt man ihn nur als Zusatz zu andern Mitteln, deren Reiz man erhöhen oder deren erschlaffende Eigenschaft man vermindern will. Die Tinctur wird als sehr wirksames Mittel bey Blutflüssen, vorzüglich bey Mutterblutflüssen angewendet."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)

Cinnamomum zeylanicum vulgare (Cinnamomum verum)
"Cinnamomum zeylanicum oder Laurus Cinnamomum, wovon wir den Zimmet erhalten, ist in der neuern Zeit von mehreren mit dem Gewächse, welches die Zimmetcassie giebt, nämlich Cinnamomum Cassia oder Laurus Cassia L., verwechselt worden, wozu wohl die Engländer Veranlassung gegeben haben, da von ihnen das eine für das andre beschrieben und abgebildet wurde. ... Doch beide können weder mit einander verwechselt, noch eins für das andre gehalten werden, da das Cinnamomum zeylanicum von der Natur durch die Bestandtheile , die in den verschiedenen Theilen desselben sich finden, so sehr ausgezeichnet ist, .. nämlich, dass in der Wurzel Kampher, in der Rinde des Stammes und der Äste Zimmetöhl, in den Blättern Nelkenöhl — welches man auch durch Destillation aus ihnen zu gewinnen sucht — und in der Frucht ein dem Wachholderöhl ähnliches Ohl enthalten ist. Überdies erhält man auch noch aus der Frucht durch Auskochen mit Wasser und Auspressen ein mit diesem ätherischen Öhle gemischtes, wachsartiges Öhl, woraus man ehemals in Zeylon Lichte bereitete, welche dem Könige von Candy geliefert wurden. Die Eingebohrnen sollen es innerlich bey der Ruhr und äußerlich als Schminke gebrauchen, da es die Haut sehr glatt zart und schön macht. ...
Mit Unrecht hat man die Abstammung der sogenannten Zimmetblumen, Zimmetblüthe oder Zimmetnäglein, Flores Cinnamomi, Flores Cassiae seu Clavelli Cinnamomi, von dem Cinnamomum zeylanicum oder Laurus Cinnamomum L. herleiten wollen, was aber gar nicht denkbar ist, da die Frucht dieses Baumes in Rücksicht des in ihr enthaltenen Öhles, so sehr verschieden von jener Droge ist."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)