"Bathenia [A. A. Pandonia an anderer Stelle heisst sie auch Bathem - Plural Bathemen und
Bachenia] (Betonica officinalis, diese kommt unter dem Namen Pandonia
schon bei Apulejus Platonie. vor, auch setzen die Synon.
Helmstad. Bethonica, Cestron, Pandonia, deutsch Bathonie oder
Batenie, neben einandcr.) Die Betenie ist warm und steht in
inniger Beziehung zu dem Seelenvermögen des Menschen, deshalb
haben auch die Teufelskünste oft Ihre Schatten über sie geworfen.
Wer einfältig und blödsinnig ist, soll die Betenie gequetscht über
Nacht um die ganze Brust binden, wer von schweren Träumen
belästigt wird, soll die Pflanze bei sich in's Bett legen. Sie ist ein
starkes Antiaphrodisiacum. Wenn ein Mann oder Weib, sei es
durch irgend welche sympathetische Mittel, magische Vorspiegelungen
oder teuflische Einflüsse, von Liebe bis zum Wahnsinn bethört ist,
der suche eine Betenie, welche früher weder zu solchem Zwecke,
noch zum Heilmittel benützt ist, weil dann ihre Kräfte erschöpft
sind, er nehme die Blätter der Betenie, stecke eines in jedes
Nasenloch, lege eines unter die Zunge, nehme eines in jede Hand,
lege eines unter jeden Fuss und blicke die Betenie unausgesetzt
an, das thue er oft, bis die Blätter durch die Körpertemperatur
warm werden. Im Winter gebraucbe man zu demselben Zwecke
die Wurzel. Der Bethörte wird geheilt werden, vorausgesetzt, dass
er vorher keinen Liebestrank (Incitamentum amuris) genommen
hat, noch ihm ein solcher beigebracht ist. Jeder hüte sich übrigens
vor dem Genusse der Betenie."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)