,

"[IV.182. - Schwarze Rebe] - Bryonia alba (Cucurbitaceae) - Schwarzfrüchtige Zaunrübe
Der schwarze Ampelos - Einige nennen ihn schwarze Bryonia, Andere cheironische Rebe [Bukranion, die Römer Oblamenia, Batnuta, auch Betisalka. die Dakier Priadela, Pegrina, die Afrikaner Lauothen] -hat epheuähnliche Blätter, sie nähern sich aber mehr denen der Zaunwinde, ebenso die Stengel, Alles ist aber grösser. Auch dieser umschlingt mit den Ranken die Bäume. Die traubige Frucht ist anfangs grün, bei der Reife wird sie schwarz. Die Wurzel ist aussen schwarz, innen buxbaumfarbig. Auch die Stengel von diesem werden beim ersten Hervorbrechen als Gemüse gegessen. Sie treiben den Harn, befördern die Menstruation und erweichen die Milz und sind ein gutes Mittel bei Epilepsie, Schwindel und Paralyse. Die Wurzel hat eine ähnliche Kraft wie die des weissen, wirkt auch gegen dieselben Leiden, nur weniger kräftig. Die Blätter werden mit Wein als Kataplasma auf den Nacken der Zugthiere gelegt, wenn er geschwürig ist; auch bei Verdrehungen werden sie in gleicher Weise angewandt."

"[IV.181. - Weisse Rebe] - Bryonia celtica (Cucurbitaceae) - Kretische Zaunrübe
Der weisse Ampelos -Einige nennen ihn Bryonia, Andere Ophiostaphylos, Chelidonion, Melothron oder Psilothron, Archezostis, Echetrosis oder Kedrostis - Stengel, Blätter und Ranken sind denen der gebauten Rebe ähnlich, alles aber ist rauher. Er schlingt sich auch um die in der Nähe stehenden Sträucher, sie mit den Ranken ergreifend. Er trägt eine beerenartige gelbe Frucht, mit der die Häute enthaart werden.
Die beim ersten Spriessen austretenden Triebe werden gekocht und gegessen; sie treiben den Harn und bewirken Abführen. Die Blätter, Früchte und Wurzeln haben eine scharfe Kraft, deshalb sind sie bei bösartigen Geschwüren, Gangrän, bei Krebs- und fauligen Schienbeingeschwüren mit Salz als Umschlag von guter Wirkung. Die Wurzel säubert und glättet die Haut; auch vertreibt sie mit Erbsenmehl, Erde von Chios und Fönumgräkum Sommersprossen, Finnnen, Leberflecken und schwarze Narben. Mit Oel bis zum Weichwerden gekocht eignet sie sich für dieselben Zwecke. Sie entfernt Geschwülste unter den Augen und treibt übergewachsene Nägel an den Fingern zurück. Als Umschlag mit Wein zertheilt sie Entzündungen (Anschwellungen) und reisst Abscesse auf. Fein gestossen aufgelegt zieht sie Knochen heraus, mit Vortheil wird sie fäulnisswidrigen Mitteln zugesetzt. Ferner wird sie zu 1 Drachme täglich das ganze Jahr hindurch gegen Epilepsie getrunken. In derselben Weise genommen hilft sie bei Schlaganfällen und Schwindel. In der Gabe von 2 Drachmen getrunken hilft sie bei Schlangenbiss, tödtet auch den Embryo. Sie greift aber oft den Verstand an. Ferner auch treibt sie getrunken den Harn. An die Gebärmutter gelegt zieht sie die Leibesfrucht und die Nachgeburt heraus. Als Leckmittel mit Honig wird sie bei Erstickungen, Athemnot, Husten, Seitenschmerzen, inneren Rupturen und Krämpfen gegeben. Im Gewicht von 3 Obolen mit Essig dreissig Tage getrunken erweicht sie die Milz. Mit Erfolg wird sie auch mit Feigen gegen dieselben Leiden aufgelegt. Weiter wird sie zum Sitzbad gekocht behufs Reinigung der Gebärmutter und als Abtreibunggmittel. Im Frühjahr wird aus der Wurzel der Saft gepresst. Der Saft wird mit Honigmeth für dieselben Zwecke getrunken, er führt auch Schleim ab. Die Frucht ist ein wirksames Mittel gegen Krätze und Aussatz in der Salbe und auch im Kataplasma. Der Stengel zu Saft verarbeitet und mit Weizenabkochung geschlürft befördert die Milchabsonderung."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)