"[III.27. - Hyssopos] - Hysop
Der Hyssopos [die Römer nennen ihn Hyssopus, auch Later oder Kassiola,
die Aegypter Pesalem ist eine bekannte Pflanze in zwei Arten; die eine ist
die wildwachsende, die andere die in Gärten gebaute. Am besten ist die in
Kilikien wachsende. Sie hat eine verdünnende, erwärmende Kraft. Mit
Feigen, Wasser und Honig gekocht und getrunken ist sie ein gutes
Mittel bei Lungenentzündung, Asthma, chronischem Husten, Katarrh und
Orthopnöe. Sie tödtet auch die Würmer; mit Honig als Leckmittel
leistet sie dasselbe. Ihre Abkochung mit Sauerhonig getrunken führt den
dicken Schleim durch den Bauch ab. Mit fein gestossenen grünen Feigen
wird sie auch zum Reinigen des Bauches gegessen; kräftiger reinigt sie
aber, wenn ihr Kresse oder Schwertlilie oder Rauke zugemischt wird.
Sie bewirkt auch eine gute Farbe. Als Kataplasma mit Feigen und
Natron dient sie gegen Milz- und Wassersucht, mit Wein gegen Entzündungen.Mit heissem Wasser aufgelegt vertheilt sie Sugillationen
unter den Augen, bei Schlundmuskelentzündung ist sie mit Feigenabkochung als Gurgelwasser das beste Mittel. Zahnschmerzen lindert sie
mit Essig gekocht als Mundspülwasser. In der Räucherung hebt sie das
Getöse in den Ohren."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.50. - Hysopwein]
Der aus dem kilikischen Hysop bereitete Hysopwein ist der beste; er wird ebenso dargestellt wie der Wermuthwein. Man muss auf 1 Krug Most 1 Pfund gestossene und in loses Leinen gebundene Hysopblätter geben, aber zugleich Steinelien mit ins Bündel legen, damit es auf den Boden des Kruges fällt. Nach vierzig Tagen ziehe den Wein ab und fülle ihn um. Er ist ein gutes Mittel gegen Brust-, Seiten- und Lungenbeschwerden, gegen alten Husten und Asthma, treibt den Harn und hilft bei Leibschneiden, ebenso gegen Wechselfieber; auch befördert er die Menstruation."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)