"Farn [A. A. Filix] (Aspidium Filix mas). Der Farn
ist warm und trocken, hat auch ein grösseres Mass von Saft.
Er besitzt auch viele Vorzüge, ja eine solche Kraft, dass der Teufel
selbst vor ihm die Flucht ergreift. Wo er wächst, treibt der Teufel
selten sein Wesen, er verscheucht ihn ebenso, wie er Gewitterschäden
abhält. Wer den Farn bei sich trägt, ist sicher vor den
Nachstellungen des Teufels und vor bösen Anschlägen auf Leib und Leben. Wie dem Menschen Sinn für das Gute und Böse innewohnt,
so sind auch gute und schlechte Kräuter für ihn geschaffen. Der
Saft des Farn ist aber auf das Gute und Heilige gerichtet, darum
flieht vor ihm alles Böse und Zauberhafte, er lässt daher in einem
Hause, wo er ist, die Wirkung von Gift und Zauberei nicht aufkommen.
Gegen Gicht hilft ein Bad, worin frischer Farn gekocht ist;
die frischen Blätter auf die Augen gebunden, machen dieselben klar
und vertreiben die Verdunkelung. Gegen Taubheit werde der Same
in einem Beutelchen in die Ohren gesteckt; wer nicht ordentlich
sprechen kann (qui vergichtiget in lingua est), soll den Samen auf
die Zunge streichen und er wird reden können. Endlich wer schwaches
Gedächtniss und wenig Verstand hat, soll zur Stärkung derselben
Farnsamen in der Hand tragen."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)