"Rizinusöl: Man gewinnt das Öl aus den Samen von Ricinus communis. Wie auch bei anderen Fetten werden von Rizinusölen verschiedene Qualitäten angeboten: Arzneibuchware muss durch Pressen ohne Wärmezufuhr hergestellt werden. Die Herstellung durch Kaltpressung soll sicherstellen, dass das toxische Lektin (Ricin) im Presskuchen zurückbleibt. Eine weitere Raffination ist möglich.
Rizinusöl weist einen sehr schwachen, aber charakteristischen Geruch auf; der Geschmack ist zunächst mild, später kratzend.
Zwischen dem Rizinusöl und den anderen Fetten besteht kein grundsätzlicher Unterschied. Rizinusöl bewirkt wie alle Öle eine brüske Entleerung der Gallenblase und in deren Gefolge verstärkte Peristaltikkontraktionen des Dünndarms.
Anwendungsgebiete:
- Innerlich als Laxans. Je nach Dosis tritt die laxierende Wirkung unterschiedlich rasch ein: nach Einnahme von 1 Teelöffel voll nach etwa 8 h, nach Einnahme von 1 bis 2 Esslöffel innerhalb von zwei bis vier Stunden. Es bilden sich weiche, selten wässrige Stühle; auch treten selten unerwünschte kolikartige Schmerzen auf.
- Äußerlich in der Dermatologie in fetthaltigen Salben. Hinzu kommt eine "abdeckende Wirkung": Öle bilden einen mechanischen Schutz gegen eindringende Schädlichkeiten; Schrunden und Fissuren heilen unter der durch das Öl gebildeten Schutzdecke besser.
- In der kosmetischen Industrie.
- In der Technik, wegen seiner gleichbleibenden, von der Temperatur weitgehend unabhängigen Viskosität als Schmieröl für Motoren und als Bremsflüssigkeit. Durch Erhitzen von Rizinusöl gewinnt man Sebacinsäure, die ein wichtiges Ausgangsmaterial für Polyamide, für Polystyrole, für Schmiermittel und insbesondere für Weichmacher darstellt."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)