"Oleum Ricini, Oleum Palmae Christi, Rizinusöl.
Dieses, aus den Samen des Wunderbaums gepresste Öl ist ein beliebtes Mittel, dessen sich die Hebammen bei Leibesverstopfung der Wöchnerinnen bedienen. Es ist hier auch sehr wirksam und verdient den Vorzug vor allen anderen Laxiermitteln, so wie auch bei allen Krankheiten des Wochenbettes: bei Entzündung des Bauchfells, der Därme, des Uterus, der Nieren und Blase, bei der schlimmsten Verstopfung hysterischer und hypochondrischer Personen, — bei der Bleivergiftung. Die Dosis ist: ein bis zwei Esslöffel voll, alle halbe bis eine Stunde, bis die Wirkung folgt. Man kann, um den fettigen Geschmack des Öls zu vertreiben, stark gesalzene Fleischbrühe, Pfefferminzwasser, oder auch schwarzen Kaffee mit vielem Zucker und etwas Zitronensaft nachtrinken.
Gegen den Bandwurm lobt Alibert eine Mischung aus einem halben Lot Hoffmannstropfen und zwei Lot Rizinusöl, wovon alle drei, zwei bis eine Stunde ein Teelöffel voll genommen wird. Als Laxanz nimmt sich das Rizinusöl am besten in folgender Mischung: Man nimmt ein Eiweiß und zwei Lot Rizinusöl, reibt beides, und setzt allmählich hinzu: Pomeranzenblütenwasser, Pfefferminzwasser, von jedem ein halbes Lot, Brunnenwasser 8 Lot, frisch ausgepressten Zitronensaft, ein Quäntchen. Diese Portion wird binnen zwei Stunden auf zweimal genommen."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)