"[Wunderbaum] - Ricinus communis (Euphorbiaceae) - Wunderbaum, Ricinusbaum
Kiki IV.161. - oder Kroton - Einige nennen es wilden Sesam, Andere kyprisches Seseli [die Aegypter Systhamna, Trixis, die Propheten Fieberblut, die Römer Ricinus, auch Lupa] - Kroton heisst es wegen der Aehnlichkeit des Samens mit dem Thiere. Es ist ein Baum von der Grösse einer kleinen Feige, hat der Platane ähnliche, aber grössere, glattere und schwärzere Blätter, Stamm und Zweige sind hohl wie beim Rohr, der Same steckt in rauhen Trauben, ausgeschält gleicht er dem Thiere Kroton. Aus diesem wird das sogen. Ricinusöl gepresst; es ist ungeniessbar, sonst aber für Lampen und Pflaster gut zu verwenden. Werden 30 Stück Samen gereinigt, fein gestossen und genossen, so fahren sie Schleim, Galle und Wasser durch den Bauch ab, sie bewirken aber auch Erbrechen. Ein solches Purgiren ist aber unangenehm und beschwerlich, weil der Magen heftig erschüttert wird. Die gestossenen Samen als Umschlag aber bringen Finnen und Sommersprossen weg. Die Blätter, mit feinstem Graupenmehl zerrieben, helfen bei Oedemen und Entzündungen der Augen und bei geschwollenen Brüsten. Rose vertreiben sie als Umschlag für sich allein oder mit Essig."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.38. - Ricinusöl] - Ricinus communis (Euphorbiaceae) - Wunderbaum
Das Rizinusöl wird auf diese Weise hergestellt: Nimm beliebig viel reife Krotonfrüchte, trockne sie in der Sonne, nachdem du den Platz mit einer Horde belegt hast, bis die äußere (umschließende) Rinde abfällt; dann sammle das Fleisch, wirf es in einen Mörser und stoße es sorgfältig und bringe es in einen verzinnten Kessel mit Wasser und lass es über untergelegtem Feuer trocknen. Wenn es sämtliche in ihm enthaltene Flüssigkeit abgegeben hat, hebe den Kessel vom Feuer, schöpfe das aufschwimmende Öl mit einer Muschel ab und setze es bei Seite. Die Ägypter, weil sie es reichlich gebrauchen, bereiten es auf andere Weise. Nach dem Reinigen nämlich geben sie die Krotonfrüchte auf eine Mühle und mahlen sie sorgfältig. Das Gemahlene bringen sie in Flechtkörbe und drücken es mit einer Presse aus. Reif sind aber die Früchte, wenn sie von den sie einschließenden Hülsen sich lösen.
Es ist auch dem Magen bekömmlich wegen seiner adstringierenden Kraft, heilt Wunden und befestigt die Zähne, wenn es im Munde gehalten wird, auch hält es den Schweiß zurück.
Das Rizinusöl wirkt gegen bösen Grind, Krätze und Entzündungen am Gesäß; ferner gegen Verstopfung und Verdrehung des Uterus, weiter gegen hässliche Wundnarben und Ohrenschmerzen. Den Pflastern zugemischt macht es dieselben wirksamer. Getrunken führt es das Wässerige durch den Bauch ab und treibt auch die Würmer aus."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)