"Zypreßwolfsmilch, Euphorbia Cyparissias, L. mit vieltheiliger, zweispaltiger Dolde, ziemlich herzförmigen partiellen Hüllen, borstenförmigen Blättern an den unfruchtbaren Aesten, und lanzetförmigen Blättern an den Stengeln; ein auf trocknen Hügeln und an ungebauten Orten in mehrern deutschen und südlichern Ländern wohnendes, etwa sechs Zoll hohes Kraut mit mehrjähriger Wurzel, welches im Mai blüht.
Die Alten gaben die länglichte, äusserlich braune, innerlich gilblich weiße Wurzel (Rad. Esulae minoris), welche frisch mit einem bis in den Magen herabbrennenden, äusserst scharfen Milchsafte angefüllet ist, vorzüglich aber die Rinde derselben (auch das Extrakt der Wurzel) bis zu der unverantwortlichen Gabe von 10, 20 und mehrern Granen als ein heftiges Purgirmittel; welches unter keinem Vorwande Nachahmung verdient. Mit dem frischen Milchsafte der Blätter ätzen sich die Bettler die Haut zu Geschwüren, um Mitleiden zu erregen; er heitzt die Warzen weg. Küchelchen aus dem Milchsafte und Salmiak gebildet in die hohlen Zähne zu bringen und sie dadurch, wie der gemeine Mann sich einbildet, ohne Schmerzen ausfallen zu machen, ist gewagt. Die Pflanze scheint ganz andre eigenthümliche Arzneikräfte (in unendlich kleinerer Gabe) zu besitzen, die man jezt nur noch dunkel ahnen kann, und die das Zeitalter sorgfältiger Aerzte erwarten.
Einige haben der Eselwolfsmilch (w.s.) und der Euphorbia Helioscopia, L. gleiche Kräfte zugetraut."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Eselwolfsmilch, Euphorbia esula L. deren gemeinschaftlicher Schirm fünftheilig, der besondere zweitheilig ist, mit fast herzförmigen Hüllen, zweispitzigen Blumenkronblättern, gleichförmigen Blättern und unfruchtbaren Seitenzweigen, ein sehr häufiges Kraut auf Angern, welches im Mai mit vier gelblichten Blättchen blüht.
Die Alten bedienten sich des nach Mandeln schmeckenden, brennenden und fressend scharfen Milchsaftes dieses Krautes äusserlich gegen die Warzen, und mit Salmiak zu Kügelchen geformt in hohlen Zähnen, den Nerven wegzuätzen. Die zerquetschte Pflanze ist ein vortrefliches Hausmittel, um schnell Blasen zu ziehn. Nur unbarmherzige Aerzte mögen sich ehedem dieses Krautes als eines drastischen Purgirmittels bedient haben."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Springwolfsmilch, Euphorbia Lathyris, L. mit vierspaltig zweitheiliger Dolde, und ganz glattrandigen, einander gegenüber stehenden Blättern ein etwa zwei Fuß hohes, zweijähriges Kraut an den Rändern der Gemüßäcker und Gärten, welches im Juny und July grüngelblich blüht.
Die Samen (Springkörner, Purgirkörner, Sem. Cataputiae minoris) sind etwas größer als der Hanfsamen, oval, an dem einen Ende schief abgestutzt, und enthalten unter einer rothbraunen, runzlichten, zerbrechlichen, geschmacklosen Schale einen weißen, öhlichten Kern, der einen anfangs süßen Geschmack besitzt, welcher bey fernerm Kauen anhaltend beißend und fressend wird. Der gemeine Mann und die alte Praxis haben fünf bis zehn Körner zum Purgiren eingegeben, die Aerzte haben sie jedoch oft mit Eidotter[268] zur Emulsion aufgelößt. Dieß auf alle Fälle gewagte Unternehmen hat aber oft so gefährliche Folgen gehabt, daß man schon längst ihre Anwendung unterlassen hat. Sie sollen schreckliches Reißen im Magen und den Gedärmen, und Blutabgang von oben und unten zuwege gebracht haben. Ueberdem zeugen Versuche an Thieren, daß Ausleerungen ihr Wirkungskreis gar nicht eigentlich sind, und daß sie vielmehr krampfhafte Beschwerden in den Respirationsorganen zuwege bringen.
Das Wort Cataputia ist aus dem Worte Catapotia verdreht, welches Pillen bedeutet.
Das ausgepreßte Oel daraus ließen die Alten auf den Unterleib einreiben, um Purgiren zu erregen."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Sumpfwolfsmilch, Euphorbia palustris, L. mit vielspaltiger, drei- und zweispaltiger Dolde, eiförmiger besonderer Hülle, lanzetförmigen Blättern, und unfruchtbaren Aesten, ein vier bis fünf Fuß hohes Kraut mit zweijähriger (vieljähriger?) Wurzel an den Rändern stillfließender Wasser, welches im Juny blüht.
Von diesem Kraute (hb. Esulae majoris) wird der weiße, höchst scharfe Milchsaft von dem Russischen Landvolke zu fünf Quentchen auf einmahl, oder in seiner Ermangelung eben so viel trockne Wurzel (welche daumenstark und wenig zasericht ist) in Pulver eingenommen, als ein starkes, schnellwirkendes Abführungsmittel, womit sie hartnäckige Wechselfieber und andre chronische Krankheiten, vorzüglich sogenannte Unterleibsverstopfungen zu heilen sich getrauen; ein nie nachzuahmendes rohes, empirisches, fast unvernünftig zu nennendes Verfahren. Sie versichern, daß es blos einiges Erbrechen, aber kein Leibschneiden verursachen."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

"Rundblattwolfsmilch, Euphorbia Peplus, L. mit dreispaltiger, zweitheiliger Dolde, eiförmigen partiellen Hüllen, und glattrandigen, umgekehrt ovalen, gestielten Blättern, ein Sommergewächs in Küchengärten und Krautländern, welches vom Frühling bis in den Winter blüht.
Man hat das Kraut (Hb. Esulae rotundae), welches gleiche Eigenschaften als die Eselwolfsmilch zu besitzen scheint, auch statt der letztern in ältern Zeiten zuweilen angewendet."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)