"[IV.162. - Wolfsmilcharten] - Euphorbia cyparissias
Der Kyparissias genannte hat einen spannenlangen oder grösseren, etwas
röthlichen Stengel, aus dem die Piniennadeln ähnlichen Blätter hervorbrechen,
sie sind aber schwächer und zarter. Er gleicht im Ganzen einer sehr jungen
Pinie, daher auch sein Name. Auch dieser ist reich an weissem Saft, er hat die
gleiche Kraft wie der vorige."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.162. - Wolfsmilcharten] - Euphorbia helioscopias
Der Helioskopios gennannte hat Blätter wie der Portulak, aber zarter und
runder. Er treibt vier bis fünf von der Wurzel an spannenlange, zarte, rothe,
von einem weissen Saft strotzende Stengel. Das Köpfchen ist wie beim Dill,
und die Frucht steckt darin wie in Blättern. Seine Dolde folgt dem Gange der
Sonne, daher heisst er nach der Sonne gewandt. Er wächst am meisten auf
Trümmern und in der Nähe der Städte. Der Saft und die Frucht werden wie
bei den anderen gesammelt; er hat auch dieselbe Kraft wie die vorigen, sie
ist aber nicht so scharf."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.164. - Wolfsmilcharten] - Euphorbia lathyris
Lathyris; auch diese nennt man Tithymalos, Einige zählen sie auch zu den
Euphorbien. Sie treibt einen ellenhohen leeren, fingerdicken Stengel, mit
Achseln an der Spitze. Die Stengelblätter sind länglich, denen der Mandel
ähnlich, aber breiter und zarter, die an der Spitze der Zweige sind kleiner,
wie bei der länglichen Osterluzei oder beim Epheu. Sie trägt an der Spitze
der Zweige eine dreifächerige runde Frucht, wie eine Kapper, darin drei
von einander durch Hüllen getrennte runde, mehr als linsenwickengrosse
Samen; geschält sind sie weiss und schmecken süss. Die Wurzel ist zart,
unbrauchbar. Der ganze Strauch ist saftreich wie Wolfsmilch. Die Samen
haben den Bauch reinigende Kraft, wenn 7 bis 8 Stück im Bissen genommen,
oder mit Feigen oder Datteln gegessen oder getrunken werden und kaltes
Wasser nachgeschlürft wird. Sie führen Schleim, Galle und Wasser ab. Der
Saft, wie der der Wolfsmilch genommen, leistet dasselbe. Die Blätter werden
für dieselbe Wirkung mit Huhn und Gemüse gekocht."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.165. - Wolfsmilcharten] - Euphorbia peblus
Der Peplos - Einige nennen ihn Feige, Andere Schaumohn - ist ein kleiner,
von weissem Safte strotzender Strauch, er hat ein der Raute ähnliches, aber
breiteres Blatt. Der ganze Obertheil, rund und etwa eine Spanne umfassend,
ist über die Erde ausgebreitet. Neben den Blättern sitzt die kleine runde
Frucht, kleiner als beim weissen Mohn. Die Pflanze findet vielfache Verwendung, sie hat aber eine einfache, unbrauchbare Wurzel, aus der der
ganze Strauch entspriesst. Er wächst in Gärten und Weinbergen. Gesammelt wird er um die Zeit der Weizenernte und im Schatten unter
öfterem Umwenden getrocknet. Die zerstossene und gereinigte Frucht
wird aufbewahrt. Ein Essignäpfchen voll mit 1 Kotyle Honigmeth eingenommen führt Schleim und Galle ab, auch dem Zugemüse beigemischt
bewirkt er Abführen. Endlich wird er in Salzlake eingemacht.
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.162. -Wolfsmilcharten] - Euphorbia platyphyllos
Der Platyphyllos gleicht der Königskerze; auch seine Wurzel, sowie der Saft und
die Blätter führen das wässerige durch den Bauch ab. Er tödtet aber die Fische,
wenn er zerstossen und ins Wasser geworfen wird; aber auch dieser wird auf gleiche
Weise aufbewahrt und wirkt ebenso wie die vorigen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[IV.174. -Birnwolfsmilch] - Euphorbia apios (Euphorbiaceae) - Birnwolfsmilch
DerApios - Einige nennen ihn Ischas Andere Chamaibalanos, den bergigen oder wilden, Linozostis
[die Römer Radix silvestris, die Afrikaner Thorphath Sade] - entwickelt zwei bis drei binsenartige,
zarte, rothe Triebe aus der Erde, welche sich wenig über den Boden erheben. Die Blätter sind denen
der Rauke ähnlich, aber länglicher und schmaler und hellgrün. Die Frucht ist klein. Die Wurzel ist der
des Asphodelos ähnlich und etwa von der Form der Birne, aber runder, saftreich, mit einer aussen
schwarzen, innen weissen Rinde. Der obere Theil der Wurzel, genossen, führt durch Erbrechen Galle
und Schleim ab, der untere purgirt nach unten, ganz genommen bewirkt sie Purgiren nach beiden
Seiten. Wenn du den Saft gewinnen willst, so zerstosse die Wurzel, wirf sie in einen Krug mit Wasser,
rühre tüchtig um, sammle den oben aufstehenden Saft mit einer Feder und trockne ihn ein. 3 halbe
Obolen davon genommen purgiren nach oben und unten."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)