"Dornella (wird von Reuss als Potentilla Tormentilla angesprochen; die aber unter dem Namen Birckwurtz vorkommt. Da die Synon. Helmstad. unter den zahlreichen Synonymen der Wolfsmilch neben Tithymalus auch Tornella major anführen, so dürfte Meyer Recht haben, wenn er Dornella mit Euphorbia Cyparissias übersetzt). Sie hat eine gute und gesunde Kälte. Bei Fiebern, welche durch den Genuss schädlicher Speisen veranlasst sind, soll Dornella in Wein mit Honig gekocht und der geklärte Trank über Tag genommen werden.”

(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)

"Wolffesmilch [A. A. Cardus niger] (Euphorbia Esula). Der Name Cardus kommt viermal vor: Cardus (bei anderen mittelalterlichen Schriftstellern auch Cards), Cardus 1aevis et hirsutus und Cardus niger. Die erste hält Meyer für Dipsacus fullonum, wofür sie - ohne sonstigen Beinamen im Mittelalter überhaupt genommen wird, die zweite und dritte stehen zusammen unter dem Capitel "Distel" und werden von Reuss als Eryngium campestre und Cnicus benedictus angesprochen, die vierte obige von demselben für Euphorbia EsuIa gehalten, welche Bezeichnung dem Texte viel eher entspricht, als seine frühere Annahme, Cardus niger sei Car1ina acaulis.
Die Wolfsmilch wird ein Gift genannt; sie hat eine plötzliche Wärme, welche das Fleisch des Menschen verbrennt, aber auch eine unwerthe Feuchtigkeit, weil sie das Fleisch des Menschen verdirbt. Ihr Nutzen besteht einzig darin, dass die alten Aerzte (medicinarum philosophi) gefunden haben, dass sie zuweilen gegen Verstopfung einigen Abführtränken zugesetzt werde und insofern die nützlichen Arzneien stärke, als das im Körper des Menschen befindliche Uebel durch dieses Uebel vertrieben werde.”

(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)

"Brachwurtz [A. A. Esula] (Euphorbia Peplus und helioscopia). Die Garten- und Sonnenwendwolfsmilch ist warm und trocken und zu Vielem nütze. Mit Wein und Honig gekocht, bei der Mahlzeit und Nachts genossen, auch in Wein gekocht als Umschlag auf den Magen gelegt, vertreibt sie jegliche Art Gicht. Man nehme Süssholz- und Bryoniapulver zu gleichen Theilen, das Gewicht bei der zusammen Brachwurzpulver, mische etwas krystallisirtes oder trockenes (gedörrtes) Salz hinzu und esse von diesem Pulver bei. der Mahlzeit und nüchtern, so wird die Stimme klar und die Brust rein und frei.”

(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)

"Springwurtz. [A. A. Citocacia] (Euphorbia Lathyris. Das Springkraut ist kalt, mit wenig und scharfem Safte. Für sich allein genossen ist es dem Menschen ungesund. Wer ein leichtes Abführmittel sich verschaffen will, nehme gleiche Theile Zimmt und Süssholzpulver, mache mit etwas Mehl und und Springwurtzsaft bohnengrosse Stückchen, die an der Sonne, oder im Ofen getrocknet werden, davon nehme er Morgens früh fünf his neun bis fünfzehn nummi (I nummus etwa 1,8 g; nachher richte er sich mit Speise und Trank ein, wie es sich gehört.”

(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)