"β-Carotin: β-Carotin kommt zusammen mit α-Carotin und γ-Carotin in Karotten, Palmöl und wohl den meisten grünen Pflanzen vor. Es hat für alle "
Säugetiere (außer Katzen) Provitamin A-Eigenschaft, daher werden Karottensäfte zur Vorbeugung gegen Vitamin-A-Mangel empfohlen.
Die Möhre, Daucus carota ssp. sativa, ist eine sehr alte Kutlurpflanze, die heute in vielen Sorten gezogen wird. Der verwendete Pflanzen teil ist botanisch-morphologisch eine fleischig verdickte Rübe, an deren Bildung Hypokotyl und die Primärwurzel beteiligt sind. Frische Karotten enthalten etwa 88% Wasser und 10-20 mg/100 g Carotin. Aus Karotten lassen sich durch Vergärung mit Hefen (Saccharomyces-Arten) oder Milchsäurebakterien β-Carotin-Konzentrate gewinnen.
Synthetisiertes β-Carotin und Canthaxanthin können heute vergleichsweise billig auf rein synthetischem Weg durch mikrobiologische Fermentationsverfahren hergestellt werden. Beide Karotinoide sind als Lebensmittelfarbstoffe zugelassen. In der pharmazeutischen Technologie verwendet man sie ebenfalls als Farbstoffe, und zwar zum Färben von Dragees, Kapseln, Suppositorien, Salben und Emulsionen. Angeboten werden sie als fettlösliche und als wasserdispersierbare Präparationen.
In der Medizin dient reines β-Carotin als Arzneistoff zur systemischen Behandlung bestimmter Lichtdermatosen, wie Erythropoetische Porphyrien (Bildung von photosensibilisierenden Porphyrinen im Organismus). Betroffene Personen entwickeln bei Sonnenbestrahlung Erytheme und Blasen an lichtexponierten Stellen. Orale Gaben von β-Carotin verleihen einen pharmakologischen Lichtschutz.
Dem chemisch nahestehenden Canthaxanthin geht diese Schutzwirkung weitgehend ab. Die Substanz wird dem β-Carotin zugesetzt, um die gelbliche Pigmentierung zu kaschieren. Canthaxanthinpigmentierung kommt einer natürlichen Bräune näher. Entsprechende Kombinationspräparate wurden in der kosmetischen Industrie in großem Umfang zur künstlichen Hautbräunung eingesetzt. Es liegen keine Untersuchungen zur Langzeittoxikologie bei Langzeitanwendung vor. Bei Großgruppenversuchen an Menschen trat das "Goldflitterphänomen" als unerwünschte Nebenwirkung auf, d. i. das Auftreten goldflitterartiger Farbpunkte am Augenhintergrund, hervorgerufen durch kristalline Einlagerungen. Als funktionelle Störung wurde eine verzögerte Dunkeladaptation nachgewiesen. In der Folge wurden Canthaxanthinhaltige Bräunungsmittel vom Markt genommen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)