"[III.106. - Lilie] - Lilium candidum (Liliaceae) - Weisse Lilie
Das königliche Krinon. [Einige nennen es Krinanthemon, Andere Kalleirion, die Propheten Blut des Mars, Osthanes nennt es Krokodilshauch, die Ägypter Symphairu, auch Tialos, die Römer Lilium, Rose der Juno, auch Oinomagrium, die Syrier Sasa, die Afrikaner Abiblaphon.] Seine Blüte wird zu Kränzen gebraucht und von Einigen Leirion genannt. Es wird daraus ein Salböl bereitet., welches bei Einigen Leirion, bei Anderen Susinum heißt; es erweicht die Sehnen und ganz besonders Verhärtungen an der Gebärmutter. Die Blätter der Pflanze helfen als Umschlag bei Schlangenbissen; gekocht wirken sie auch gut bei Brand- wunden; in Essig eingemacht sind sie ein Wundmittel. Ihr, Saft, mit Essig und Honig gemischt und in einem kupfernen Gefäße gekocht, gibt ein dünnes Mittel gegen alte Geschwüre und frische Wunden. Die geröstete fein gestoßene Wurzel heilt mit Rosensalbe Feuerbrandwunden, erweicht die Gebärmutter, befördert die Menstruation und bringt Wunden zum Vernarben. Mit Honig fein zerrieben heilt sie durchschnittene Sehnen und Verrenkungen, vertreibt weiße Flecken, Aussatz und Schorf, bringt bösen Grind zum Verschwinden, säubert das Angesicht und macht es runzelfrei. Mit Essig fein zerrieben oder mit Bilsenkrautblättern und Weizenmehl besänftigt sie Hodenentzündungen. Der Same ist im Trank ein Gegenmittel gegen Schlangenbisse; der Same und die Blätter in Wein fein zerrieben werden als Kataplasma bei roseartigen Entzündungen angewandt. Einige sagen, es gebe auch Lilien mit purpurfarbiger Blüte. Die zur Bereitung des Salböls kräftigsten wachsen in Syrien, Persien und Babylonien."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.62. - Die Bereitung des susischen Salböls] - Lilium candidum (Liliaceae)
Das susische Öl, welches Einige auch Lilienöl nennen, wird so dargestellt. 9 Pfund 3 Unzen Öl, 5 Pfund 3 Unzen Kalmus, 5 Unzen Myrrhe mische mit gewürztem Wein und koche. Nachdem du dann das Öl abcolirt hast, gieße es mit 3 Pfund 6 Unzen gestossener und mit Regenwasser macerirter Kardamomen wieder darüber, lass auf einander einwirken, nachher presse es aus. Und nimm 3 ½Pfund von diesem verdichteten Öl, lege an Zahl tausend zerpflückte Lilien in ein breites, nicht tiefes Fass, gieße das Öl darauf und rühre mit den vorher mit Honig bestrichenen Händen durch. Lass es einen Tag und eine Nacht stehen und nachdem du es in der Frühe in eine (Press-) Büchse gebracht hast, presse es aus. Das obenstehende Öl trenne schleunigst von dem mit dem Öl zugleich ausgepressten Wasser, denn gerade wie das Rosenöl verträgt es dasselbe nicht; damit erwärmt aber schäumt es auf und wird faulig. Gieße es aber öfter in andere mit Honig ausgestrichene Gefäße um, indem du feines Salz dazu streuest und die gesammelte Unreinigkeit vorsichtig wegnimmst. Wenn du nun das ausgepresste Gewürz aus dem Presskorbe in das Fass gebracht hast, gieße wiederum eine der füheren gleiche Menge gewürzten Öls hinzu und wirf gleichzeitig 10 Drachmen gestossener Kardamomen hinein, rühre mit den Händen tüchtig durch und presse in kurzen Pausen, das Abfließende reinige dann. Und wenn du ein drittes Mal aufgießest, tue wieder dasselbe, indem du auch Kardamom und ebenso das Salz dazu gibst und die Hände mit Honig bestreichest und pressest. Und es wird das zuerst ausgepresste (Öl) das beste sein, dann (folgt) das zu zweit erhaltenen, das dritte ist das letzte. Und wiederum nimm tausend Lilien, zerpflücke sie und lege sie hin; nachdem du das zuerst ausgepresste Öl daraufgegossen hast, verfolge das Verfahren, indem du dasselbe tust, wie du beim ersten Male getan, dass du auch Kardamom zumischest und dann auspressest. Dasselbe tue ein zweites und drittes Mal, indem du auch Kardamom zugibst [darauf presse aus und tue dasselbe]. Je öfter du aber frische Lilien macerirst, ein desto kräftigeres Salböl wirst du haben. Wenn es dir am Ende genug zu sein scheint, mische jedem Präparate 72 Drachmen ausgesuchte Myrrhe, 10 Drachmen Safran, 7 Drachmen Kardamom zu. Einige geben auch gleichviel Safran und Zinimt mit Wasser in das Fass. Dann gieße das zuerst ausgepresste Öl dazu und, nachdem du es kurze Zeit hast stehen lassen, fülle es in kleine, trockene, mit Gummi oder Myrrhe, sowie mit Safran und Honig, die mit Wasser behandelt sind, ausgestrichene Gefäße. Dasselbe tue auch bei der zweiten und dritten Pressung. Einige bereiten es einfach aus Behen- oder einem anderen Öl und Lilien. Den Vorzug scheint aber das in Phönikien und Ägypten hergestellte zu verdienen. Am besten davon ist das, welches nach Lilien riecht. Es hat erwärmende, erweichende, gegen Verstopfung und Entzündung der Gebärmutterumgebung gerichtete Kraft [und überhaupt ist es von allen am nützlichsten bei Frauenkrankheiten; es ist ein gutes Mittel gegen bösen Grind, Gesichtsausschlag, Seborf, Ekzeme; Blutstriemen vertreibt es sehr bald und stellt eine gleiche Farbe (der Haut) her]. Überhaupt macht es locker. Getrunken führt es die Galle durch den Bauch ab, treibt auch den Urin; es ist aber dem Magen schädlich und erregt Übelkeit."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)