Verwendet werden die blühenden oberen Zweigspitzen mit ihrem charakteristischen, sehr aromatischen Geruch (Wermutkraut – Absinthii herba).
Traditionelle Anwendung:
Das Kraut dient als appetitanregendes Bittermittel (Amarum aromaticum). Es regt ferner bei dyspeptischen Beschwerden die Magensaftsekretion an und kommt bei Dyskinesien der Gallenwege zum Einsatz. Die Droge ist mitunter Bestandteil von Magen- sowie Leber- und Gallentees, ebenso von Arzneifertigpräparaten der Indikationsgruppen Cholagoga, Stomachika und Roborantia. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine unerwünschten Wirkungen zu erwarten. Die Anwendung über lange Zeit und in hohen Dosen kann allerdings zu Intoxikationen führen, die mit Erbrechen und Benommenheit verbunden sind. Ursache hierfür ist das enthaltene äther. Öl und dessen Gehalt an Thujon. Aus diesem Grunde darf auch das äther. Öl therapeutisch nicht verwendet werden, da in höheren Dosen Thujon zu klonischen Krämpfen, Parästhesien und Bewußtseinsstörungen führen kann. Auch Destillate der Droge, z.B zur Herstellung von Absinthschnaps, sind verboten. Der Mißbrauch entsprechender Zubereitungen führt zum sog. "Absinthismus", einer chronischen Absinth-Vergiftung, die durch das in den Zubereitungen enthaltene Thujon ausgelöst wird und mit Abbauerscheinungen des Zentralnervensystems (motorische und sensible Ausfälle, Übelkeit, Erbrechen, Stupor) verbunden ist.
Homöopathie:
Artemisia absinthium HAB1; die frischen, oberen Sprossteile, Blätter und Blüten.
Anwendungsgebiet: Erregungszustände und Krampfleiden sowie Entzündung der Magenschleimhaut.
Anerkannte Medizinische Anwendung:
ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy): bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich)
Unerwünschte Wirkungen: Wegen der Toxizität des Thujons sind alkoholische Wermutauszüge und die Verwendung des ätherischen Öls (Absinth-Liköre u. a.) in vielen Staaten verboten; wäßrige Drogenauszüge enthalten demgegenüber relativ wenig Thujon.
Bereitung eines Teeaufgusses:
1 bis 1,5 g geschnittenes Wermutkraut (1 Teelöffel) mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und bedeckt stehen lassen; nach 10 bis 15 Minuten abseihen.
3 mal tgl. eine Tasse frisch bereiteten, warmen Wermuttee trinken, zur Appetitanregung jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten. Der Anwendungszeitraum sollte nicht länger als eine Woche betragen.