"Wermut (Artemisia Absinthium Linn.).
Sowohl das Kraut, als die Spitzen des Wermuts
(Herba et Summitates Absinthii) sind ein beliebtes, allgemein bekanntes Hausmittel gegen Würmer und
Verdauungsbeschwerden, besonders aber gegen das kalte Fieber, wogegen der westfälische Bauer zwei
Teelöffel voll frisch ausgepressten Wermutsaft (Succus Absinthii recens expressus) mit Branntwein kurz
vor dem Frostanfall einnimmt. Branntweintrinkern, welche als Vagabunden In Strafanstalten und Landarbeitshäuser,
wie z. B. in dem zu Güstrow, aufgenommen werden, gibt man in der ersten Zeit statt des gewohnten Branntweins,
täglich einen Tee von vier Lot Wermutkraut mit drei Tassen kochendem Wasser bereitet, zu trinken,
wonach sie sich wohl befinden, ohne das Delirium tremens zu bekommen. Frauenzimmer, welche blass, hager
und krampfhafter Konstitution sind, zuweilen an Magenkrampf, Leibesverstopfung und an schmerzhafter
Menstruation, die bald zu stark, bald zu schwach ist und unregelmäßig erscheint, leiden, ist folgender
Wein sehr nützlich: Es werden vier Lot Wermutkraut und ein Lot kohlensaures Kali mit einer Flasche
Rheinwein 20 Stunden in der Wärme digeriert, dann durchgeseiht, und davon dreimal täglich ein halbes
Weinglas voll genommen.
Das auf der Apotheke käufliche Wermutextrakt (Extractum Absinthii) enthält, ist es gut bereitet,
alle wirksamen Bestandteile des Krautes, des frisch ausgepressten Saftes; dabei ist es angenehmer
zu nehmen, als letzterer. Man kann ein Lot in einer Flasche Wein lösen und davon täglich dreimal ein Schnapsglas
voll nehmen. —
Die bitteren, magenstärkenden Tropfen (Tinctura amara) bestehen aus: Gentlana, Centaurium minus,
unreifen Pomeranzen und Wermut, von jedem vier Lot, Zedoarwurzel, zwei Lot, mit vier Pfund Alkohol digeriert.
Die Dosis ist: 40—60 Tropfen mit Wein oder Branntwein."
(Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843)