"Weizenkeimöl: Weizenkeimöl ist ein Nebenprodukt der Müllerei: Man gewinnt es durch Auspressen oder ducrh Extraktion aus den Embryonen der Weizenkörner. Der Weizen ist sehr fettarm.
Die Weizenkörner stellen wie alle Getreidefrüchte sog. Karyopsen dar, Schließfrüchte, bei denen Frucht- und Samenschalen zu einem einheitlichen Gewebe verwachsen sind. Die Samen- bzw. Fruchtschalen umschließen ein mächtiges Endosperm und einen kleinen, unscheinbaren Embryo. Die äußerste Zellschicht des Endosperms bezeichnet man als Aleuronschicht; sie ist eiweißreich und enthält die Eiweißverbindungen in Form der sog. Aleuronkörner. Die darunter liegenden Zellreihen des Endosperms sind mit Stärkekörnern angefüllt.
Der Fettgehalt der Keimlingsfraktion schwankt zwischen 7-12%. Der Hauptanteil der Gesamtfettsäuren des Weizenkeimöls sind ungesättigte Fettsäuren: Linolsäure (~53%), Ölsäure (~25%) und Linolensäure (~6%). Weizenkeimöl ist ferner reich an Vitamin E."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Weizenkleie: Das Nährgewebe (Endosperm) des Weizenkeimlings ist stärkereich; es wird auch als Mehlkörper bezeichnet und macht 83% des Weizenkorns aus. Die Kleie, auf die 17% entfallen, besteht aus der Fruchtschale, der Samenschale und der eiweißreichen Aleuronschicht. Die Kleie, wie sie beim Mahlprozess anfällt, enthält noch geringe Anteile des Mehlkörpers. Somit ist Weizenkleie keineswegs kalorienfrei.
Kleie enthält 63% Kohlenhydrate, 15% Eiweiß, 5% Fett, 7% Mineralstoffe sowie Vitamine der B-Gruppe und Tocopherole ("Vitamin E"). Für die medizinische Verwendung sind die Pentosane (Kohlenhydrate) von Interesse, die man in lösliche und unlösliche unterteilt. Die lösliche Pentosanfraktion bildet unter Wasseraufnahme hochviskose Lösungen. Die unlöslichen Pentosane quellen bei Wasserzufuhr sehr stark auf.
Weizenkleie ist ein Diätetikum, um eine ballastarme Kost zu ergänzen. Nach der Einnahme wird das Sättigungsgefühl rasch erreicht; die Verweildauer der Nahrung im Magen wird verlängert und das Hungergefühl verzögert; Weizenkleie ist folglich ein Hilfsmittel für kalorienarme Ernährung. Die Quellung der Pentosane vergrößert das Volumen des Darminhaltes, die Peristaltik wird verstärkt, die Darmpassage beschleunigt, der Stuhl wird lockerer und geschmeidiger. Die Symbiontenflora baut die Pentosane teilweise bis zu kurzkettigen Fettsäuren ab, die stimulierend auf die Darmmorotik wirken können. Weizenkleie erleichtert somit die Darmentleerung, was beispielsweise bei Hämorrhoidalbeschwerden nützlich sein kann. Weizenkleie scheint hingegen, sehr zum Unterschied von einigen anderen Ballaststoffen, keinen cholesterinspiegelsenkenden Effekt zu haben.
Unerwünschte Wirkungen: Meteorismus und krampfartige Schmerzen als Folge bakteriellen Abbaus der Pentosane im Kolon können besonders in der Initialphase auftreten, verschwinden aber fast immer nach wenigen Tagen."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)