"Auch der Anbau des Weizens verliert sich im
grauen Alterthum. Niemand wird mit Bestimmtheit
nachweisen können, wann und wo derselbe zuerst cultivirt
wurde. Wie wichtig der Weizen den Griechen
war, beweist schon der Umstand, dass sie ihn
auch geradezu Speise nannten. In den hippokratischen
Schriften wird dreierlei Weizen unterschieden:
1) Weizen ohne alles Beiwort; 2) dreimonatlicher
Weizen, 3) Sitanischer Weizen. — Nimmt
man den ersten , für den auch bei uns gewöhnlichen
Weizen an, wendet man das, was von der dreimonatlichen
Gerste gesagt wurde , auf den gleichnamigen
Weizen an , und könnte alle
drei als zu einer Art, nemlich Triticum vulgare
Seringe gehörend , betrachten. Den Sitauischen Weizen bezieht Sprengel auf Triticum Gaertnerianum
Clera. , eine Annahme , die vielleicht richtig
ist, obgleich sich eben nicht viel Sicheres dafür sagen
lässt. Uebrigens mochten den Griechen allerdings
mehrere Arten Triticum bekannt seyn , wie
schon eine Stelle der hippokratischen Schriften anzudeuten
scheint, wo es heisst. »Auch unter den Speisen herrscht eine große Verschiedenheit, der Weizen unterscheidet sich vom Weizen, Wein vom Weine und so alle übrige zur Nahrung dienende Dinge, daher ist es nicht thunlich , genau von jedem Einzelnen zu schreiben.
Ungefähr auf dieselbe Weise wie die Gerste wendeten
die hippokratischen Aerzte auch den Weizen an,
sie halten ihn sowohl , als das aus ihm bereitete Dekokt
kräftiger und nährender als die Gerste , doch wirke er
weniger auf den Stuhlgang.
Auch von dem Weizen wurde eine Ptisane bereitet,
zu der man Honig, oder Wein, oder Oehl und
Salz, bisweilen auch Essig setzte, sie wird aber bei
weitem seltener, als die aus Gerste bereitete, in den
hippokratischen Schriften angeführt. Gleichwie aus der
Gerste ein Getränk bereitet wurde so machte man es auch
aus dem Weizen, mittelst welchem man wohl auch
mit den Uebergang bei Krankheiten, von leichteren
Speisen zu mehr nährenden machte, denn es wird dasselbe
bei Lungenentzündungen dann empfohlen , wenn
das Fieber nachgelassen hat. Nicht minder machte
man aus dem Weizen eine Polenta, die bei schmerzhaftem
Durchfall, empfohlen wird. Das Weizenmehl
wird auch hie und da erwähnt, war es sehr fein , so
wurde es mit dem Namen Similago
der Lateiner belegt. Man bediente sich desselben unter anderm auch als klebendes Mittel, äußerlich bei Wunden mit Weihrauch und Gummi. Selbst die Kleien wurden gebraucht, und
zwar z. B. im Dekokt zu eröffnenden Klistiren.
Endlich wurde auch das Wasser, womit man Mehl gewaschen
hatte in einigen Fällen angewendet.
Aus Weizen wurde das weißeste Brod bei den
Griechen gemacht, wovon Hippokrates mehrere Arten
anführt; sie unterscheiden sich nach der Feinheit des
Mehls und der Bereitungsart, man hatte gegohrenes
und ungegohrenes Brod, man bereitete es im Ofen
oder auch nur in heißer Asche u. s. w. "
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)
"Nicht minder wie die vorigen, gehört der Dinkel
zu den Getreidearten, die den ältesten Völkern bekannt
waren; sehr frühe wurde er von den Israeliten und
andern orientalischen Völkerschaften gezogen. Den
Aegyptiern war er die einzige Getreideart, wie Herodot
bezeugt, und mehrere Speisen und Arzneien bereiteten
sie, nach dem Berichte des Plinius , aus demselben.
Wahrscheinlich ist Olyra der Griechen und
Römer nichts anders als der Dinkel, oder doch eine
mit demselben sehr nahe verwandte Art.
Der Dinkel (Triticum Spelta L) ist leichter als
der Weizen und alles, was daraus bereitet wird, sagt
Hippokrates, dem ähnlich, was man aus dem Weizen macht, doch wird es schneller verdaut. Zu
Getränken im Fieber wird die Spelze angerathen.
Mit der Hülse gestoßen, nebst unreifen Feigen und
Olivenblättern , wendete man sie äußerlich im Cataplas
an.
Hier müssen wir auch die Graupe, Alioa
der Romer erwähnen, sie konnte aus jeder Getreideart
bereitet werden , aus mehreren Stellen in den Schriften
der Alten lässt sich aber schließen , dass vorzugsweise
die Spelze dazu verwendet wurde. Die Spelze
wurde geschält, zerstoßen und in eine Brühe gegossen,
in welcher Form sie bei den Alten eine der gewöhnlichsten Krankenspeisen ausmachte. Dergleichen
Speise wurde als sehr nährend angesehen und deswegen
auch, besonders die aus Weizen bereitete, zur Wiederherstellung der Kräfte nach Krankheiten
empfohlen. "
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)