"[II.107. - Weizen] - Triticum hibernum, vulgare, aestivum - Weizensorten
Der Weizen ist zu Genusszwecken am, besten, der frisch und vollständig reif ist und eitle quittengelbe Farbe hat. Nach diesem kommt der Sommerweizen, welchen Einige auch Sitanios nennen. Roh freilich gegessen er- zeugt er runde Würmer, gekaut aber und aufgelegt hilft er gegen den Biss des wütenden Hundes. Das aus dem Semmelmehle desselben gemachte Brod ist nahrhafter als das aus Kleienmehl bereitete, das aus dem Sommerweizen ist leichter und gut zu verdauen. Das aus ihm bereitete Mehl dient mit Bilsenkrautsaft als Umschlag gegen Nerven-(Sehnen-)fluß und Aufblähen der Eingeweide. Mit Sauerhonig entfernt es Leberflecken. Die Kleie mit scharfem Essig gekocht vertreibt den Aussatz und ist gleich anfangs umgeschlagen ein gutes Mittel gegen jede Entzündung. Mit Raute gekocht erleichtert sie geschwollene Brüste und hilft gegen Vipernbiss und Leibschneiden. Der aus Weizenmehl bereitete Sauerteig ist erwärmend und reizend, erweicht aber ganz besonders die Geschwülste an den Fußsohlen, reift und öffnet auch mit Salz die anderen Geschwüre und Furunkeln. Das Mehl des Sommerweizens dient mit Essig oder Wein als Umschlag gegen den Biss giftiger Tiere. Gekocht nach der Art von Kleister hilft es als Leckmittel gegen Blutspeien, wirkt auch mit Pfefferminze und Butter gekocht gegen Husten und Rauheit der Luftröhre. Das aus demselbigen Weizen gemahlene feinste Mehl mit Honigmeth oder Hydroleum gekocht zerteilt jede Geschwulst. Auch das Brod mit Honigmeth gekocht und roh als Umschlag hindert jede Entzündung, am meisten erweichend und kühlend erweist es sich, wenn es mit irgend welchen Kräutern oder Säften gemischt wird. Das alte und trockene, für sich und gemischt mit irgend etwas, stellt den Bauchfluss. Das frische in Salzbrühe gelegt und umgeschlagen heilt alte Flechten. Der aus dem Semmelmehle oder dem feinsten Mehle zum Zusammenkleben der Bücher gemachte Kleister ist auch denen sehr wohltuend, welche an Blutspeien leiden, wenn er verdünnt und erwärmt in der Gabe eines Löffels geschlürft wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[Schrot]
Das Schrot ist das Grobe bei der Bereitung des Mehls, es wird vom Dinkel und Weizen gemacht, aus ihm wird der Brei hergestellt. Es ist sehr nahrhaft und leicht verdaulich. Das vom Dinkel stellt den Bauch mehr, besonders nach vorheriger Röstung."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[Stärkemehl] - Triticum hibernum, vulgare, aestivum - Weizensorten
Amylum wird es genannt, weil es ohne Mühle hergestellt wird. Das beste ist das aus dem Sommerweizen bereitete, das kretische oder ägyptische. Es wirft hergestellt aus dem reinen Sommerweizen, welcher fünfmal des Tages und wo möglich auch des Nachts mit Wasser übergossen wird. Wenn er weich geworden ist, muss man das Wasser vorsichtig abgießen, ohne zu pressen, damit nicht das Nutzbare mit weggespült wird. Wenn er sehr weich geworden erscheint, gieße das Wasser ab, um ihn mit den Füssen zu zertreten, dann muss man wieder Wasser zugießen und treten. Darauf muss man die obenaufschwimmenden Hülsen mittelst eines Durchschlages abnehmen und das Übrige nach dem Coliren auf ein Seihegefäß bringen und nachdem man es abgeseiht hat schnell auf heißen Steinen in brennendster Sonnenhitze trocknen; denn wenn es kurze Zeit feucht bleibt, säuert es. Es wirkt gegen Augenflüsse, Höhlungen (Cavernen) und Pusteln. Genossen stellt es den Blutsturz und lindert die Schmerzen in der Luftröhre. Es wird auch der Milch und den Speisen zugesetzt. Es wird aber auch aus gesiebten und ein bis zwei Tage eingeweichtem Dinkel gemacht, welcher dann nach Art des mit Wasser angerührten Weizenmehls mit den Händen abgepresst und in schärfsten Sonnenhitze getrocknet wird, wie oben angegeben ist. Ein solches ist aber zum arzneilichen Gebrauche nicht geeignet, im Übrigen aber wohl zu verwenden."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)