Weinrebe, Rebe, Vitis, auf der Nordhalbkugel, insbesondere in Nordamerika, heimische Gattung der Weinrebengewächse mit 65 Arten. Sommergrüne, mit Ranken kletternde Sträucher mit meist grob herzförmigen, oft 3–7lappigen, am Rand gezähnten Blättern und blattachselständigen Blütenrispen. Die kleinen, staminokarpellaten, 5zähligen Blüten besitzen an ihrer Spitze verwachsene Kronblätter, die als Haube abgeworfen werden. Der aus 2 Fruchtblättern gebildete, oberständige Fruchtknoten reift später zu einer rundlichen oder länglichen, fleischig-saftigen Beere mit 2–4 birnenförmigen Samen heran.
Mit Abstand wichtigste Art der Gattung ist Vitis vinifera. Die mehr als 5000 Sorten umfassende Kulturrebe oder Edelrebe (Vitis vinifera ssp. vinifera), die heute in klimatisch geeigneten, warm-gemäßigten Gebieten weltweit angebaut wird, geht in erster Linie auf vorderasiatische Stammformen zurück. Die Wildrebe, Vitis vinifera ssp. sylvestris, ist eine ausdauernde Kletterpflanze mit einem tief reichenden Wurzelsystem und bis zu 20 m langen Stämmen. Der Sproß hat einen sympodialen Aufbau; jedes Sympodialglied (Lotte oder Langtrieb) beginnt in der Achsel eines der in 2 Zeilen angeordneten Laubblätter und endet mit einer nach der Seite abgedrängten paarigen Endverzweigung, von der sich ein Teil zu einer berührungsempfindlichen Ranke entwickelt, der andere zu einem Blütenstand (Geschein). Die durch Berührung ausgelöste Einrollbewegung der haptotropen Ranke (Tropismus) hat zur Folge, daß das zunehmende Gewicht des wachsenden Fruchtstands an die tragende Pflanze bzw. Tragekonstruktion (Pfähle, Drähte usw.) angehängt wird.
In den Achseln der Tragblätter jedes Sympodialglieds sitzen weitere, serial angeordnete Beiknospen, die sich ebenfalls zu Trieben (sog. Geizen oder Kurztrieben) entwickeln können. Ihr Auswachsen wird im modernen Rebbau durch das Ausbrechen der treibenden Knospen (Ausgeizen) verhindert.
Aus den gelblichen, unscheinbaren, aber wohlriechenden Blüten der Weinrebe entwickeln sich später gelbe, grüne, rote oder blauviolette Beeren (Weinbeeren), die entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch nicht in einer Traube, sondern einer Rispe (Blütenstand) angeordnet sind. Der größte Teil des aus den Beeren gewonnenen Traubensafts wird zu Wein vergoren, aus dem man durch Destillation Weinbrand oder, durch Zusatz von Essigsäurebakterien, auch Weinessig hergestellen kann. Aus den bis zu 15% Öl enthaltenden Samen läßt sich Traubenkernöl gewinnen.