"Gartenraute, Ruta graveolens, L.
mit doppelt zusammengesetzten Blättern, deren Blättchen lanzetförmig sind, und mit vierspaltigen Seitenblüthen, ein perinnirendes, strauchartiges, anderthalb Schuh hohes Kraut, welches im südlichen Europa wild wächst, und bei uns in Gärten im Brach- und Heumonat gelb blüht. Das heftig beißend und bitter schmeckende, stark und fast widrig riechende Kraut (hb. rutae hortensis), welches wenig (etwa 1/400) ätherisches Oel in der Destillation giebt, weil es sehr auflöslich im Wasser ist, besitzt viel Kräfte, die von Reizbarkeit der Faser herrührenden Krämpfe, und die Hysterie zu mäßigen. Es ist sehr hitzig und treibt Schweiß. Aufgelegt soll es die Milch in den Brusten zurücktreiben. Es giebt 1/320 bis 640 an ätherischem Oele.
Die braunen, runzlichten, nierenförmigen Samen (sem. rutae hort.) haben ähnliche Kräfte; man rühmt sie noch überdieß gegen Spuhlwürmer, und gegen das Schlucksen von Magenerkältung, und Blähungen. Der Samen, noch mehr aber die Samenkapseln, geben ihr ätherisches Oel häufig von sich, welches hellgelb, von brennend scharfem Rautengeschmacke, und ähnlichem Geruche ist; ungefähr 1/80 des Samengewichts."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)

" Bergraute, (Ruta montana)
eine Spielart der Gartenraute, (Ruta graveolens L. Var. γ)deren untere Blätter doppelt zusammengesetzt, die Blättchen aber gleichbreit sind; die obern Blätter sind fünf- und dreispaltig. Ueberhaupt ist sie kleiner, dunkelgrüner, und von stärkerm Geruche und Geschmacke als die Gartenraute. Sie scheint Vorzüge vor letzterer zu haben, und eine eigne Art zu seyn.
Bergraute, wird auch zuweilen der Harmel genannt (w.s.)."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1795)