Salix alba
"Da die weiße Weide in den meisten Gegenden die gemeinste und stämmigste ist, so wird die Weidenrinde mitunter auch wohl von ihr genommen werden, besonders von der Dotterweide (Cortex Salicis vitellinae) , der man auch wohl noch ganz besondere Wirkungeu zutraut, wie denn auch Günz die Brauchbarkeit derselben zum Arzneigebrauch schon nachgewiesen bat. Ehedem hatte man sogar ein destillirtes Wasser der Kätzchen und gab überhaupt viel auf die Heilkraft der Theile des Baumes. Wolle und Seide werden zimmtbraun durch Rinde und Blätter gefärbt. Das Holz zeigt unter allen Weiden den größten Zuwachs, ist aber sehr brüchig, schwerspaltig und leicht faulend und giebt weder Hitze noch Kohlen, steht daher selbst dem Pappelnholze nach, dem es sonst im Bau sehr gleicht. Auch diesen Baum erzieht man zu Kopfholz."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix aquatica (Salix cinerea)
"Diese gehört zwar zu den kleineren Weiden, da sie aber in vielen Gegenden so außerordentlich häufig ist und wahre Bestände bildet, wie z. B. in den Elbgegenden, so konnte sie hier als Weidenrinde gebend, nicht übergangen werden. Sie ist ja auch der S. Caprea so ähnlich, dass man gleiche Wirkungen mit derselben eiwarten kann.
Auch ihr übriger Nutzen ist nicht unerheblich, denn sie kann, da sie so häufig vorkommt, eben so wie andere Weiden, zu sogenannten Wasen gebunden, als Brennholz benutzt werden. Zum Befestigen von Dämmen und als Material für Korbflechtcr ist sie ebenfalls nützlich."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix caprea
"Die Rinde der Saalweide dürfte nicht bloß beim Einsammeln von Weidenrinden in manchen Gegenden ganz zufällig mit unterlaufen, sondern sie wurde sonst auch als Cortex Salis Capreae besonders gesucht und als heilkräftig geschätzt. Wenn man jetzt auch keinen solchen Unterschied mehr macht, so dürfte sie hier bei der vollständigen Aufzählung der zum arzneilichen Gebrauche dienenden Weiden doch nicht übergangen werden.
Uebrigens hat diese Weide noch mancherlei Nutzen. Da sie meist zu einem Baume anwächst, so ist ihr Holz nutzbarer als das vieler andern Arten. Es dient sowohl als Werkholz bei der Fabrikation von Büchsen und Schachteln, als auch als Brennholz. Die Kohlen sind als Reißkohlen gut zu gebrauchen, eigneu sich, nächst denen des Faulbaumes, am besten zur Bereitung des Schiffspulvers. Die Rinde der 3- bis 4-jährigen Aeste soll zum Gerben des Leders der Dänischen Handschuhe gebraucht werden, und mit Erlenrinde vermischt, Leinengarn schwarz färben. Allgemein bekannt ist der Gebrauch der blühenden Zweige ( Palmzweige), welche am Palmsonntage zur sogenannten Palmweihe getragen werden. In katholischen Ländern steckt man diese auf die Saatfelder und glaubt die Hagelwetter dadurch abzuhalten. Auch werden wohl dann drei Kätzchen als Schutzmittel gegen Fieber verschluckt. Ob sie diesen Nutzen haben, steht dahin, aber den Bienen nutzen sie gewiss sehr wenn sie recht voll blühen, und man sieht unzählige in den duftenden Zweigen geschäftig summend."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix fragilis
"Von der Bruchweide und der Lorbeerweide soll nach der Preuß. Pharmakopoe die officinelle Weidenrinde genommen werden. Die Bruchweide dürfte dazu auch wegen ihrer Häufigkeit am Besten zu benutzen seyn. Die Rinde hat sogar einen angenehmen balsamischen Geruch. Der Baum wird überdies noch sehr nützlich dadurch, dass er an Wegen gebraucht werden kann und später erträgliches Brennholz liefert. Will man bei der Anpflanzung desselben seine Zweige und zugleich die Weide unter den Bäumen nutzen, so behandelt man ihn als Kopfholz. Die Wurzeln sollen, wenn sie lange gekocht werden, eine purpurrothe Farbe geben."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix pentandra
"Auch von der Lorbeerweide sammelt man Weidenrinde, ja man unterscheidet diese wohl gar als Cortex Salicis pentandrae seu laureae , und zieht diese, wenn man sie haben kann, vor zum Arzneigebrauch, besonders zur Bereitung des Extracts, welches die dunkelbraune Farbe des Chinaextracts hat. Sünz vergleicht sie mit der Chinarinde, welche weniger flüchtige und schleimige, aber mehr harzige und erdige Bestandtheile enthalten soll. Selbst im Volke gelten Rinde und Laub der Lorbeerweide als vortreffliche Heilmittel, nicht bloß beim Fieber, sondern auch bei Entzündungen, Geschwüren u. dergl. Die Blätter, welche gelbe Farbe geben sollen, gewähren ein herrliches Viehfutter. Die jungen Triebe sind zähe und dienen zum Binden, Flechten u. s. w. Die Haarwolle ist die längste und feinste und soll hier und da mit Baumwolle gemischt, zum Weben gebraucht werden (thüringische, märkische oder schlesische Baumwolle genannt). Das Holz ist fest und zähe. Unter allen Weiden eignet sich diese am meisten zu einem Zierstrauche in Gärten, auch wegen des steten Wohlgeruches der Blätter."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix triandra
"Von dieser Weide, wie von den übrigen, unter den nachfolgenden Nummern beschriebenen, wird vorzüglich die Rinde gesammelt, welche als Weidenrinde (Cortex Salicis) noch jetzt officinell ist. Man sammelt sie im Frühjahre, sobald sie sich löst, und zwar von den zwei- bis dreijährigen Aesten, auch nicht von einem zu nassen Standorte, und trocknet sie im Schatten. Die alsdann zusammengerollte Rinde der dünnen Aestchen ist dünner, glatter, glänzender, brauner, die der ältern dicker rissiger, matter und grauer. Die innere, glattere Seite ist stets heller als die äußere. Der Geruch derselben ist unbedeutend, der Geschmack aber bitter, selbst etwas aromatisch und hinterher zusammenziehend, besonders bei älterer Rinde, die aber wieder weniger bitter ist. ...
Man reicht die Weidenrinde als Pulver zu 2 — 3 St., oder bereitet daraus eine Abkochung (6 —8 Dr. auf 8 Unzen), oder ein Extract, welches letztere zu 20—30 Gr. in Pillenform gegeben wird. Die Wirkung dieser Mittel ist zusammenziehend, sogar noch mehr als die der Kastanienrinde. Man hat durch sie die Chinarinde ersetzen wollen, und wenn dies auch nicht vollkommen geglückt ist, so thut sie doch zuweilen gute Dienste gegen Wechselfieber, besonders bei großer Erschlaffung und Atonie, auch bei passiven Schleim- und Blutflüssen, Durchfällen aus Erschlaffung und Wurmkrankheiten. Aeußerlich kann man sie auch zu Umschlägen bei (Quetschungen), zu Einspritzungen und selbst zu Salben gebrauchen.
Die Buschweide gehört auch in technischer Hinsicht zu den nützlichsten. Man kann sie, wegen der außerordentlich lebhaften Ausschlagsfähigkeit, zu Flechtzäunen und Faschinen benutzen und ihre langen Triebe geben dann schöne zähe Ruthen für Korbflechter."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)

Salix viminalis
"Auch die Korbweide darf für unsern Zweck nicht unberücksichtigt bleiben. Sie ist in vielen Gegenden, da wo Ufer- oder Festungsarbeiten betrieben werden, so außerordcntlich häufig, auch auf gutem Boden so stämmig, dass man leicht gezwungen werden dürfte, von ihr den Hauptbedarf für die Apotheke zu nehmen. Dazu kommt noch, dass die leicht zu schälende Rinde äußerst saftig und aromatisch ist und besonders kräftige Wirkungen verspricht. Ihre Blätter werden vom Vieh besonders gern angenommen. Unter den Befestigungsweiden steht sie oben an, denn sie schlägt am Tiefsten aus Stecklingen aus und macht die größten Triebe, bis 13 Fuß Höhe in einem Jahre! Diese Triebe, auf gutem Boden einen undurchdringlichen Wald bildend, sind sehr zähe und biegsam und haben ihr auch wegen ihrer Brauchbarkeit zu Fischerkörben u. s. w. die Namen Fischer- oder Korbweide verschafft. Ueberdies sieht man sie wegen der schönen Form und des Silberglanzes der Blätter sehr gern."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)