"Weiden werden auch Felber von ettlichen geheyssen. Auff Griechisch Itea / zu Latein Salix. Ursachen aber sölcher namen haben wir in unserm Lateinischen kreüterbuch angezeygt.
Der Weiden seind dreyerley art. Etlich rot / die man zu den banden seer braucht / werde Lateinisch geheyssen Nigrae / oder Punicae / Viminales / Sabinae / unnd Amerinae. Die andern seind geel / werden Graecae / Candidae / Vitellinae genent. Die dritten werden klein Weiden geheyssen / und Gallicae zu Latein / wie wir sölchs nach der leng haben im Latein angezeygt / hie on not zu erzelen. Weiden haben ein kurtzen stammen / mit langen ästen / die zu oberst auß den stammen gleich als auß einem haupt herauß kommen / die seind zäch / und lassen sich biegen. Die bletter seind lang und schmal / oben grün / unden aber äschenfarb. Jre blumen seind gleich wie die schüpen zusamen gesetzt / unn so sie sich auffthun seind sie harig und wollecht / darumb mans Ketzlin nennet. Disen behalten sie nit lang / sonder würdt von dem windt zeitlich / ehe und die frucht hernach folget und zeitig würt / verworffen.
Allerley geschlecht der Weiden wachsen gern neben den wassern / unnd an feüchten orten.
Die Weiden blüen im anfang des frülings / und fallet sölche blust ab ehe unn die frucht darauß würdt / wie oben angezeygt / welchs auch Homerus hat acht genommen / do er auff seine spraach die Weiden Olesicarpos nennet.
Die bletter und blumen / oder Weiden ketzlin / trücknen / unnd ziehen mittelmässig zusamen. Doch ist sein rinde noch trückner.
Die Weiden bletter / same / rinden / und safft / ziehen zusamen. Die bletter zerstossen / und mit ein wenig Pfeffer vermengt unn getruncken / seind gut denen so weetagen der zarten und subtilen därm leiden. Der same ist nützlich denen so blut speien. Gleiche würckung unn krafft hat auch die rind / doch ist sie mehr trücknen. Dieselbig zu äschen gebrent / unn in essig gebeytzt / unn übergelegt / vertreibt die wärtzen und hüneraugen. Der safft von Weiden bletter / oder von der rinden / mit rosenöl in einer Granatöpffel schelen gewermet / unnd in die ohren gethon / stillt den weetagen derselbigen. Die bletter und rinden in wasser gesotten seind gut denen so das Podagram haben / so sie sich darob bäen. Gedacht wasser vertreibt die schüpen auff dem haupt. Der safft auß der rinden gesamlet dieweil die Weiden noch blüen / und in die augen gethan / macht lautere augen / unn ein schön angesicht. Die bletter gesotten und getruncken / vertreiben den lust unn neygung zur unkeüscheyt."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)