"Sunnenwirbel (Cichorium Intybus Reuss,
während in der A. A. erklärend Solsequium i. e. Heliotropium
beigesetzt wird; letztere Bezeichnung für Sonnenwende, Sonnenblume,
Sunnenwervel des Mittelniederdeutschen scheint mir richtiger
zu sein). Sie ist warm und feucht, in ihrer Natur liegt ein Streben
nach stattlichem Aussehen; wer sie bei sich trägt, zieht sich dan
Hass der Menschen zu. Gegen Brustschmerzen und Heiserkeit mische
man einen Trank aus Sunnenwirbel und gleichen Theilen der grossen
Klette in reinem Wein gekocht und nehme ihn nach der Mahlzeit
und des Nachts häufig. Wer an Verdauungsstörung leidet, nehme
Sunnenwirbel und grosse Klette, trockne sie an der Sonne oder auf
einem heissen Backsteine, gebe den dritten Thei! (der einzelnen
Pflanze) krystallisirtes oder gedörrtes Salz hinzu und mache mit
Honig einen Trank (honigwurtz) und geniesse diesen nach der Mahlzeit und des Nachts häufiger."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)