"Eisenkraut oder Eisernhart ist darumb also genent worden / das man das eisen darmit hertet. Auff Griechisch würt es geheyssen Peristereon / hiera botane / zu Latein Verbenaca / Columbaris / Columbina / Herba sagminalis. Zu unsern zeiten / unnd in den Apotecken / Verbena. Ursachen aber diser namen aller / hab ich nach der leng in meinem Lateinischen kreüterbuch angezogen / daselbst mögens die spraachverstendigen suchen und lesen.
Des Eisenkrauts seind zweyerley geschlecht / mennle und weible. Das mennle würt von dem Dioscoride Recta genent / und Crista gallinacea / das ist / Hanenkamb / von seinen zerschnittnen blettern / die einem hanenkamb gleich seind. Recta / das ist / auffrecht / darumb das seine äst auffrecht und gestarck übersich wachsen. Das weible würdt zu Latein Supina geheyssen / darumb das sich seine zweig oder äst ettwas undersich biegen. Was weiter underscheyd zwüschen disen zweyen geschlechten ist / wöllen wir hernach in der beschreibung jrer gestalt anzeygen.
Eisenkraut das mennle würt gemeinlich anderhalb spannen lang / etwan auch höher. Sein stengel ist gemeinlich nur eintzig / auß welchem die bletter schleffen / die seind zerspallten / unn auff der einen seiten weißfarb / ein yedes blatt anzusehen wie ein hanenkamb. Die blume oben an den reißlin oder ästlin seind geel / darauß werden kleine schöttlin / darinn ist der geel klein sam. Die wurtzel ist auch eintzig / weiß / mit vilen zaseln. Das weible würdt eins elenbogens hoch / zu zeiten auch höher. Seine stengel seind vierecket / an welchen wachsen bletter die seind zerspallten / dem Eychen laub nit seer ungleich / doch schmeler unnd kleiner / zu ringßumbher zerkerfft / auff der einen seiten weißfarb / oder grawlecht. Am öbersten teyl der stengeln bringt es vil kleine purpurweisse leibfarbe blümlin. So dise abfallen / bringt es seinen samen / der ist dem breyten Wegerich samen gleich. Die wurtzel ist lang / dick / und hat vil zaseln.
Das mennle wechßt auff ungebawten orten / bey den zeünen / und neben den wassergräben. Das weible würdt auch allenthalben gefunden / in dörffern / hinder den zeünen / an den mauren und wassergräben.
Das mennle kompt vil ehe herfür dann das weible / dann es umb die Hundßtag fürnemlich blüet / biß in Herbst hinein.
Beyderley geschlecht des Eisenkrauts ziehen zusamen und trücknen auß.
Des Eisenkrauts mennlin bletter mit rosenöl unnd frischem schweinenschmaltz vermischt unnd übergelegt / legen die schmertzen der muter. Mit essig vermengt und zerstossen / seind sie gut zu dem rotlauff. Sie heylen auch die faulen unnd unreynen schäden / zerstossen unnd übergelegt. Deßgleichen auch die frischen wunden / unnd die allten mit hönig vermischt.
Des weiblins bletter unnd wurtzel in wein gesotten unnd getruncken / oder angestrichen / seind treffenlich gut wider allerley gifftige thier. Auff ein quintlin schwer mit weyrauch unnd alltem wein viertzig tag lang nüchter getruncken / heylen sie die geelsucht. In wasser gesotten / oder grün zerstossen unnd übergelegt / lindern sie die hitzigen geschwulst. Sie reynigen auch unnd seubern die unreynen schäden. Das gantz kraut in wein gesotten / heylet die mundfeule / und die geschwär des munds die umb sich fressen. Das Eisenkraut mennle ist gut zu den weetagen des haupts / so man ein krentzlin darauß macht und auffsetzt / oder so mans zerstoßt mit essig und rosenöl / und überlegt. Oder so mans mit rosenöl kocht und überschlecht. Sie verhüten auch das einem die har nit außfallen. Die wurtzel in wasser gesotten / und die brüe im mund gehallten / miltert die weetagen der zän / macht dieselbigen fest unnd steiff / unnd heylet die geschwär des munds. Gedachte wurtzel ein wenig zerstossen / und in wasser biß das halb teyl verzert würdt gesotten / unnd fünff tag getruncken / ist krefftig wider das grimmen der därm. Das weible in wasser gebeytzt unnd den saal oder das gemach darinn man isset darmit besprengt / sol die gest frölich machen. Ist gut denen so die roten rhur haben / in wasser oder wein gesotten und getruncken. Es treibt auch den stein. Ist nützlich denen so mit dem fallenden siechtagen beladen seind / und die newlich mit dem außsatz seind überfallen worden / in wasser gesotten unnd getruncken. Zerstossen und übergelegt / heylet es das Podagram / weetagen der hüfft / und die wunden."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)