"Eupatorium cannabinum
Es sind von diesem Gewächs die Wurzel und das Kraut, Radix et Herba Eupatorii,
in dem Arzneyvorrath bekannt geworden. Alle Theile des Gewächses besitzen nur wenig Geruch,
aber einen bittern Geschmack. Man rechnet es jetzt zu den bittern Mitteln, und zwar zu solchen,
die durch andre hinreichend ersetzt werden können. Es scheint aber nicht zu den rein
bittern Mitteln zu gehören, da nach Boerhaave der Saft des Krautes in Menge genommen, Erbrechen
und Purgiren hervorbringt, so wie auch schon Conrad Gesner, der sich selbst zu einem
Versuche hergab, dieselben Wirkungen in ziemlich starkem Grade durch einen Absud der
Wurzel erfuhr. Wenn Chomel dagegen diese Wirkungen nicht wahrgenommen haben will, so
bestätigt er doch die Meinung Tournefort’s, der es sehr gegen Verstopfung der Eingeweide
rühmt, besonders gegen diejenigen, welche nach kalten Fiebern zurückbleiben, und so auch gegen
die Wassersucht in Verbindung mit dem äußerlichen Gebrauche des Absudes. Man gab zum
innerlichen Gebrauch den Saft des Krautes, oder dasselbe im Theeaufgusse. Äußerlich haben
nach Chomel die gekochten Blätter, als Umschlag angewendet, einen Wasserbruch zertheilt,
so wie sie auch bey Geschwülsten mancherley Art mit Nutzen angewendet worden sind."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)