Juglans regia
"Die von dem Walnussbaume herrührenden Arzneistoffe sind meistens anßer Gebrauch gekommen. Man
gebrauchte davon ehedem, dagegen jetzt seltener, die grüne Schale der reifen Nüsse (Codex exterior viridis
s. putamen nucum Juglandium), dann die ganzen unreifen Nüsse (Nuces Juglandis s. Nuces regiae immaturae),
so wie auch die reifen Kerne (Nuclei nucum Juglandium) und die Blätter und die Rinde des
Baumes (Folia et Codex Juglandis). Die grünen Schalen sowohl der reifen als der unreifen Früchte, welche
einen eigentümlichen, durchdringenden, unangenehmen Geruch und widerlichen, herben, zusammenziehenden, hintennach
fast scharfen Geschmack haben (welche aber beide nach dem Trocknen schwinden) , und beim häufigen Anfassen
die Haut gelbbraun färben, sollen nach Braconnot einen eigentümlichen bittern Extractivstoff, Gerbestoff,
Chlorophyll , Stärkemehl, Citronen- und Aepfelsäure, auch Klees. und Äpfels. Kalk und Pflanzenfaser enthalten. Sie
werden entweder frisch oder getrocknet (1 unze auf 1 Pfund Wasser) zum Decoct verbraucht (z. B. im bekannten
Decoctum Pollini) oder man bereitet aus ihnen ein Extract (Extractum Nucum Juglandis)
, welches zu 10 — 20 Gr. gegeben wird, oder durch Auspressen und Kochen mit Honig einen Saft (Hob nucum).
Anwendung finden diese Mittel bei verschiedenen Dyscrasien, bei Syphilis, Herpes, Scrophulosis und Scorbut, auch bei Würmern, und
zwar sowohl innerlich, als auch äußerlich (in Form von Wasch- und Gurgelwässern). Die Schärfe derselben soll
sich nach größeren Gaben durch Leibweh, Erbrechen und Durchfall äußern.
Die reifen Kerne, welche bekanntlich eine wohlschmeckende Speise abgeben, besonders wenn sie von
frisch abgenommenen Nüssen gegessen werden, werden zur Bereitung eines fetten, kalt gepressten, leicht ranzig
werdenden Oeles, Wallnussöl (Ol. Nucum Juglandium) gebraucht. Dasselbe dürfte aber, wenn ihm nicht von
der Schärfe der Schalen etwas beiwohnte, von nicht anderer Wirkung sein, als jedes andere fette Oel, obgleich es
innerlich gegen Würmer und äußerlich gegen Hautausschläge und Hornhautflecken gute Dienste leisten soll.
Die Blätter und die Rinde des Baumes , erstere bekannt wegen ihres aromatischen Geruches , mit Unrecht
aber von Einigen wegen schädlicher Ausdünstung verschrien, sollen etwa dieselben Wirkungen wie die Schalen haben.
Die frische Rinde mit der Bastseite auf die Wange gelegt, vertreibt oft sehr sicher das Zahnweh.
Außerdem zieht man aber noch manchen andern Nutzen von dem Baume. Die Früchte geben, mit Zucker
eingemacht, eine angenehme Speise. Das Nussöl wird von Malern sehr gesucht. Das Holz hat eine dunkle Farbe
und zeigt nach dem Poliren , besonders an masrigen Stücken , schöne braune Flammen , weshalb es von den Tischlern
zum Auslegen und Fourniren gesucht wird."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)