Clematis flammula
"Das Kraut der scharfen Waldrebe, welches sonst auch unter dem Namen Herba Flammulae Jovis bekannt war, wird jetzt noch weniger mehr gebraucht, als das der aufrechten Waldrebe, könnte aber auch wohl wegen Verwechselung mit jener Vorkommen. Allein wenn man beachtet, dass bei dieser die Blättchen langgestielt und stumpf, sehr kurz zurückgebogen-stachelspitzig, bei jener aber kurzgestielt und spitzig sind, und dass bei dieser die Stengel kletternd und leicht gefurcht, bei jener aber aufrecht und nur gestreift sind, so wird man sie so leicht nicht verwechseln.
Die Eigenschaften so wie die Wirkungen der scharfen Waldrebe sind denen der aufrechten Waldrebe sehr ähnlich, und sie ist daher, wie jene, zu den scharfen Giften zu rechnen, und in ähnlichen Fällen, so wie in derselben Gabe und Form, anzuwenden."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)

Clematis recta
"Das Kraut der aufrechten Waldrebe, Herba Clematidis erectae, s. flammulae Jovis, ist zwar officinell, und wird auch in dem zweiten Theil der neuen Preuss. Pharmakopoe angeführt, allein es kommt doch nur selten noch in Anwendung. Man soll es nach der Pharmakopoe im Monat Juli sammeln, also zur Zeit der Blüthe. Frisch besitzt es, sammt der Blüthe, einen sehr brennenden, scharfen Geschmack, und nach anhaltendem Kauen entwickeln sich wohl gar auf der Zunge und im Rachen kleine Entzündungs-Bläschen. Im frisch gepressten Safte zeigen sich diese Eigenschaften noch deutlicher. Im getrockneten Zustande dagegen treten diese Eigenschaften weniger hervor, zeigen sich in dem Aufguss aber doch noch deutlich. Eine befriedigende chemische Analyse ist bis jetzt noch nicht angestellt, aber man kann aus den angegebenen Eigenschaften schließen, dass das Gewächs ähnliche Stoffe wie die meisten Ranunculacaen enthalte, und dass man es wegen seiner flüchtigen Schärfe zu den Giften rechnen müsse. ...
Wegen der heftigen Wirkungen ist der Gebrauch des frischen Krautes zu widerrathen und nur das getrocknete zu empfehlen, welches man entweder gepulvert zu 4—6 Gr., oder zu 1 —2 Skr. im Aufguss, oder zu 1—2 Gr. im Extract anwenden kann. Störck hat es besonders gegen secundäre Syphilis (Chanker im Halse, Knochengeschwülste und Knochenschmerzen), gegen chronische Hautausschläge innerlich, und gegen krebsartige Geschwüre äußerlich und innerlich empfohlen. — Es soll sogar mit diesem Kraute ein Missbrauch getrieben werden, indem Bettler es frisch gequetscht auf die Füße legen, um durch die dadurch erzeugten Bläschen und Geschwüre das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)

Clematis vitalba
"Von der gemeinen Waldrebe waren ehedem Wurzel, Blätter und Stengel, radix, folia et stipites Clematidis sylvestris, officinell, obwohl sie in Deutschland immer weniger gebraucht wurden, als das Kraut der aufrechten Waldrebe. In ihren chemischen Eigenschaften verhält sie sich aber wahrscheinlich ganz gleich mit jener, ist aber eben so wenig wie jene genau chemisch untersucht.
Man wandte sie auch wohl früher bei Wassersucht an. Um sich vor Verwechselung mit den andern zu sichern, bemerke man, dass bei dieser die Blättchen länger gestielt sind als bei den beiden andern und dass die langen Blattstiele durch ihre gedrehte und gewundene Stellung den Stengel kletternd machen, dass ferner hier die Blätter zugespitzt sind, während bei jenen diese nur spitz oder gar nur stumpf sind, ferner dass hier die Blätter an der Basis fast fünfnervig und immer herzförmig sind, während sie bei den andern nur dreinervig und nur bei der aufrechten Waldrebe zuweilen etwas herzförmig erscheinen.
Der Zweige der gemeinen Waldrebe soll man sich wie der Weidenzweige zum Anbinden bedienen, da sie sehr biegsam und zähe sind. Auch sollen die fadigen Schwänze der Karyopsen zur Papierfabrication benutzt werden."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)