"Wohlriechendes Veilchen, wohlriechende Viole, Märzveilchen, Märzviole, Veilchen, Viole, Blauögschen.
Wächst in ganz Deutschland und den übrigen - vorzüglich südlichen - Ländern Europens in Wäldern, Gesträuchen, an Hecken und andern schattigen Orten.
Blühet im März und April.
In den Apotheken werden die Blumen, oder vielmehr nur die Kronenblätter, Flores Violae s. Violarum, jetzt nur noch im frischen Zustande zum Veilchensyrup, Syrupus Violarum, gebraucht. In ältern Zeiten sammelte man auch das Kraut, Herba Violariae, so wie auch die Wurzel und den Samen, Radix et Semen Violae s. Violarum.
Der Veilchensyrup wird wohl von keinem Arzte mehr als ein Mittel verschrieben werden, von dem er sich mehr, als der Zucker desselben wirken kann, versprechen sollte; und daher kommt es auch wohl, daß der Apotheker um so weniger bedenklich ist, zur Bereitung dieses Zuckersaftes sich statt der so mühsam herbeyzuschaffenden Kronenblätter der Viola odorata, der der Aquilegia vulgaris oder der ganzen Blumen der Viola tricolor grandiflora mit einem Zusatze von Radices Iridis florentinae zu bedienen. Es ist zwar alles Substituiren unerlaubt; aber was soll der Apotheker thun, um so viel von diesem Zuckersafte bereiten zu können, wie er das ganze Jahr hindurch, bloß durch den sogenannten Handverkauf, absetzt und absetzen muß? Bey dem besten Willen, bey aller Sorgfalt und bey dem größten Fleiße ist es ihm, wenn er in einer großen Stadt sich befindet und bedeutende Geschäfte macht, nicht möglich so viel Kronenblätter von der Viola odorata zusammen zu bringen, wie er zu der nöthigen Menge dieses Zuckersaftes gebraucht. - Dem Veilchensyrup die Farbe durch Lacmus zu geben, was durchaus nicht zu billigen ist, möchte jetzt wohl so leicht nicht mehr geschehen, da sich diese Verfälschung sehr leicht entdecken läßt, indem ein solcher Saft durch Zusatz von Alkalien nicht grün wird. Sonst, weiß ich, daß ein solcher Veilchensyrup von Droguisten den Apothekern feil gebothen worden ist.
Die Wurzel erregt Brechen, was auch bey allen Arten dieser Gattung, welche ausdauernde Wurzeln haben mehr oder weniger der Fall ist; und so wie bey diesen der übrige Theil des Gewächses wenig oder nichts von dieser Eigenschaft besitzt, so ist auch bey der Viola odorata das Kraut, welches die Alten mit zu den fünf erweichenden Kräutern, Herbae quinque emollientes, zählten, völlig frey davon, und eben so auch die Blumen, die sonst zu den vier herzstärkenden Blumen, Flores quatuor cordiales gerechnet wurden. Der Same war bey den ältern Ärzten als ein harntreibendes Mittel bekannt, welches auch wider den Stein angewendet wurde; ja es sollen sogar dem Kaiser Maximilian eine Menge kleiner Steine dadurch abgetrieben worden seyn."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dritter Band. 1815.)