"Auch von dieser Pflanze haben wir es zu beklagen,
dass die Alten so unvollständige und mangelhafte
Beschreibungen von ihr hinterließen ; bei aller Mühe,
Vergleichungen und Zusammenstellungen wird man dennoch
kaum zur Gewissheit gelangen. Unsere gemeine
Doste, Origanum vulgare L. ist kaum dahin zu rechnen,
es muss vielmehr eine Art seyn, die nicht nur
durch ihren scharfen Geruch , sondern auch durch die
Schärfe des Geschmackes sich auszeichnet.
Mathiolus, von Lukas Ghini geleitet, bildet unter
dem Namen Origanum heracleoticum eine kretische
Pflanze ab , die den von den Alten angegebenen
Eigenschaften der Doste sehr nahe kommt. Linne behielt
den Ton Mathiolus gegebenen Namen bei, wobei
nur noch zu bemerken, dass Origanum creticum
L. mit der vorigen große Aehnlichkeit hat, und in
Hinsicht der Schärfe sie fast noch übertrifft. Die erste
wird unter dem Namen Küchenmajoran oder Wintermajoran
von den Engländern in den Gärten gezogen,
und die kretische Doste war sonst in den Officinen unter
dem Namen spanischer Hopfen bekannt.
Auf diese beiden Pflanzen möchte ich das hippokratische
Arzneimittel beziehen : im Allgemeinen wird
gesagt, die Doste erwärme und führe die Galle aus ,
in einem Tranke schade sie den Zähnen so wie den
Augen . An Hämorrhoiden Leidenden ist alles scharfe
verboten, nur allein die Doste dürfen sie gebrauchen .
Nebst andern Mitteln wird sie zur Beförderung des
Auswurfs empfohlen ; gegen eiternde Lungenschwindsucht
soll viel Doste mit Honig frisch gegessen werden , könne man sie nicht grün haben , so wäre die
getrocknete Pflanze anzuwenden . Dass sie den Abgang
der Lochien befördere wird von ihr gerühmt .
Die Blätter brauchte man als Cataplas bei Geschwülsten ; das Infusum wurde zur Reinigung des Mundes
angewendet, auch ließ man die Dämpfe davon nebst
denen des Essigs und der Kresse bei der Bräune einathmcn. Endlich wurde auch noch die Doste zur
Heilung der Nasengeschwüre gebraucht .
Anmerkung: Noch wird in den hippokratischen Schriften
eine kopfähnliche Doste genannt , mit deren Stengel eine Mischung aus
Milch, Honig, Essig und Wasser für Schwindsüchtige
gerührt werden soll. Von welcher Pflanze
hier aber die Rede ist, darüber wage ich keine
Vermuthung.«."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)