"Belladonnablätter: Die Droge besteht aus den getrockneten Blättern oder den getrockneten Blättern mit Zweigspitzen und gelegentlich Früchten von Atropa belladonna. Sie hat einen schwach widerlichen Geruch und einen unangenehmen, schwach bitteren Geschmack. Belladonnablätter enthalten im Mittel 0,3-0,5% Gesamtalkaloide, darunter als Hauptalkaloid das S-Hyoscyamin.
Zur Anwendung gelangen sowohl Arzneimittel, die Reinalkaloidsalze enthalten, wie auch Extrakte enthaltende Präparate. Wegen der geringen therapeutischen Breite der Tropanalkaloide verbietet sich selbstverständlich eine Anwendung - etwa zur Selbstmedikation - in Form von Teeaufgüssen. Periphere Wirkungen kommen durch Antagonisierung der Muscarinrezeptoren zustande. Sehr charakteristische periphere Wirkungen betreffen das Auge: Atropin verursacht Mydriasis (Weitstellung der Pupillen) und Zykloplegie (Akkomodationslähmung). Beim Menschen erweitert Atropin die Bronchien, wenn bronchiospastische Zustände vorliegen.
Von den zentralen Wirkungen der Tropanalkaloide ist die günstige Beeinflussung von Symptomen der Parkinsonkrankheit, sowie die antiemetische Wirkung von therapeutischem Interesse. Über viele Jahrzehnte hin waren die Belladonna-Alkaloide die einzigen Antiparkinsonmittel. Dabei erwiesen sich Alkaloidmischungen in Form von standardisierten Auszügen aus Belladonnawurzel - propagiert als "bulgarische Kur" - dem dosisäquivalenten Einzelstoff Atropin deutlich überlegen (Kombinationswirkung von Hyoscyamin plus Scopolamin). Die prophylaktische Wirksamkeit von Scopolamin gegen die Reisekrankheit ist unbestritten. Auf dem deutschen Arzneimittelmarkt werden allerdings seit einiger Zeit keine entsprechenden Fertigarzneimittel mehr angeboten.
Die sensiblen Nervenendigungen werden durch Atropin noch in Verdünnung gelähmt, die denen der bekannten Lokalanästhetika kaum nachstehen. In der rationalen Pharmakotherapie wird diese Wirkung nicht ausgenutzt. Im Angebot zur Selbstmedikation findet man äußerlich anzuwendende Präparate (Pflaster) gegen Zerrungen, Verstauchungen, schmerzhafte Verspannungen, Hexenschuss und zur Segmenttherapie, die neben lokal reizenden Stoffen Belladonnaextrakt enthalten.
Toxizität: Eine Dosis von 10 mg Atropin führt zu Apathie, Halluzinationen und Bewusstlosigkeit."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)