Tollkirsche, Atropa, vom südlichen Europa bis zum Himalaya verbreitete Gattung der Nachtschattengewächse mit 4 Arten. Am bekanntesten ist die in Laubwäldern (in Schlagfluren, Lichtungen oder an Waldwegen) wachsende Schwarze Tollkirsche oder Teufelskirsche (Atropa belladonna). Die sparrig verzweigte Staude wird bis 150 cm hoch und besitzt einen dicken Wurzelstock, große, eiförmige, drüsig behaarte Blätter sowie einzeln blattachselständige Blüten. Diese außen rotbraun, innen mattgelb mit rötlichen Adern; die Krone ist glockenförmig und hat einen fünflappigen Saum. Die Frucht ist eine schwarz glänzende, fast kirschgroße, vielsamige Beere. Sie enthält, wie auch die Blätter und das Rhizom der Pflanze, reichlich Alkaloide (Tropanalkaloide). Die wichtigsten sind Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin. Während in der Frucht das Atropin vorherrscht, überwiegt in den Blättern das Hyoscyamin. Aus den Blättern wird auch der pharmakologisch wirksame Belladonnaextrakt gewonnen.
Hauptwirkstoffe der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) sind Hyoscyamin und das qualitativ gleichartige Atropin. Sie wirken sowohl zentral erregend als auch peripher lähmend. In Abhängigkeit von der aufgenommenen Dosis sind zu beobachten: allgemeine Erregung, psychomotorische Unruhe, Rededrang, Euphorie bis hin zu Verwirrungszuständen mit Sinnestäuschungen sowie Tobsuchtsanfälle und Krämpfe; danach Lähmungen und narkoseähnlicher Schlaf, der zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Mit diesen Symptomen einher gehen eine starke und lang anhaltende Pupillenerweiterung mit Sehstörungen, eine Beschleunigung und Verstärkung der Herztätigkeit (Blutdrucksteigerung) und der Atmung sowie eine starke Temperaturerhöhung. Die Tätigkeit innerer und äußerer sekretorischer Drüsen (z.B. Speichel- oder Schweißdrüsen), des Magen-Darm-Kanals, der Gallenwege sowie der Blase wird lahmgelegt. Schon der Genuß von 2 Früchten kann zu schweren Vergiftungserscheinungen führen.
In früheren Zeiten träufelten sich Frauen den Saft der Beeren in die Augen, um diese groß und glänzend erscheinen zu lassen („bella donna“ = schöne Frau). Ihre erregende, berauschende Wirkung machte die Tollkirsche zudem zu einem der wichtigsten Bestandteile mittelalterlicher Hexensalben. Ärzte verwendeten die Tollkirsche als Betäubungsmittel. Heute wird sie für pharmazeutische Zwecke feldmäßig angebaut. Aus ihr werden u.a. Pupillen (Mydriatika) und (Herzkranz-)Gefäß erweiternde sowie krampflösende Medikamente und Mittel zur Narkosevorbereitung (Narkose) hergestellt. Atropin ist auch ein wichtiges Gegengift bei einer Reihe verschiedener Vergiftungen.