"Thymian: Arzneilich verwendet werden unter der Bezeichnung Thymian zwei Thymian-Arten: 1) Der violett blühende Thymus vulgaris, der von Portugal über Frankreich und Italien (in den Macchien) bis Griechenland verbreitet ist; er wird auch feldmäßig angebaut, weshalb man auch vom Gartenthymian spricht, 2) Der weiß blühende Thymus zygis, der in Spanien in der sog. Labiatenscheide (Tomillares) in Massenbeständen auftritt. In den Verkehr kommen die gerebelten (abgestreiften) und im Schatten getrockneten Laubblätter und Blüten.
Der Geruch ist angenehm würzig, eigenartig (Geruchsnote "phenolisch"), der Geschmack aromatisch, leicht bitter. Unter den ätherischen Ölen (1-2,5%) dominieren Thymol und Carvacrol (bis zu 70%). Das Verhältnis Thymol zu Carvacrol variiert innerhalb weiter Grenzen, abhängig von Herkunft, Klima und Erntezeit; z.B. enthält Sommerthymian generell einen höheren Anteil an Carvacrol als Winterthymian. Bei bestimmten Thymianarten, die als Verfälschungen in Frage kommen, entfällt praktisch die gesamte Phenolfraktion auf Carvacrol. Diese Ware fällt durch einen strengen Geschmack auf.
Thymian ist zunächst eine Gewürzdroge, besonders in der französischen und italienischen Küche. Außerdem ist die Pflanze Ausgangsmaterial zur Gewinnung von Thymianöl. Aus der Droge stellt man Fluidextrakte und Trockenextrakte her, die dann in Kombinationspräparaten der Indikationsgruppe "Husten - Erkältung" eingearbeitet werden: in sofort löslichen Tees, Dragees, Hustentropfen, Hustensäften. Die Präparate wirken laut älteren pharmakologischen Befunden auf Grund ihres Gehalts an ätherischem Öl sekretolytisch und sekretomotorisch; bei der Ausscheidung des Thymols über die Lunge käme als zusätzlich erwünscht die antiseptische und antibakterielle Wirkung des Thymians zum Tragen. Sodann zeige der Extrakt eine gute spasmolytische Aktivität. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, ein bronchodilatorisch wirksames Prinzip tatsächlich zu isolieren.
Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf die aktuelle therapeutische Situation übertragen, weil Dosierung und Anwendungsweise nicht vergleichbar sind. Wirkungen, die sich bei der Anwendung von Thymol und Thymianöl erzielen lassen, können nicht relevant sein bei der Anwendung von Thymainextrakt oder Kombinationspräparaten, wenn diese Thymol nur mehr als Spurenstoff enthalten. In den meisten Fertigarzneimitteln ist Thymainextrakt in einer Dosierung enthalten, die unterhalb der Einzeldosis (1-2g) für den Monoextrakt liegt. Ein Dragee enthält z.B. 17,5 mg Extrakt, was etwa 0,1g Thymian (Droge) entspricht; demgegenüber beträgt die Einzeldosis für die Droge 1,0-2,0g (auf 1 Tasse Aufguss). Die medizinische (phenolische) GEruchsnote guter Thymianextrakte ist einer Plazebowirkung förderlich."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Thymianfluidextrakt: Extrakte sind definitionsgemäß konzentrierte Zubereitungen aus Drogen. Bei Fluidextrakten entspricht 1 Teil Droge 1 Teil Extrakt; daher sollte man erwarten, dass der Gehalt an ätherischem Öl und Thymol im Extrakt annähernd dem der Thymiandroge entspricht. Tatsächlich ist der Thymolgehalt des Extrakts um mehr als eine Zehnerpotenz niedriger; die Extraktherstellung ist somit mit einer Wirkstoffminderung verbunden. Bei einer Einzeldosis von 1,0-2,0 g Fluidextrakt werden etwa 0,5 mg Thymol zugeführt, von dem wiederum nur ein Bruchteil über die Lunge ausgeschiedn wird. In den Fertigarzneimitteln wird die Dosierung noch niedriger gehalten. Hinzu kommt, dass die bronchomukotropischen Eigenschaften de Thymols verglichen mit denen von Camphen, Geraniol oder Citral sehr gering sind. Somit dürfte Thymianfluidextrakt in Hustensäften, in Hustentropfen und in den Arzneiformen zum Lutschen lediglich als Geruchs- und Geschmackkorrigens fungieren."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Thymianöl: Es wird aus den zur Blütezeit geernteten oberirdischen Teilen bestimmter Thymiansträucher, besonders von Thymus vulgaris und von Thymus zygis, durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Thymain wächst in Frankreich, Spanien, Algerien und Marokko. Die Hauptmenge des Öls produziert Spanien. Das durch einfache Destillation gewonnene Rohprodukt ist eine rotbraun gefärbte Flüssigkeit von starkem, würzig-phenolischem ("medizinischem") Geruch und scharfem, anhaltendem Geschmack. Durch Rektifizieren gewinnt man ein weißes Thymianöl mit ansonsten gleichen sensorischen Qualitäten.
Thymianöle enthalten bis zu 70% Thymol oder Carvacrol, wobei das relative Mengenverhältnis der beiden Phenole je nach Provenienz innerhalb weiter Grenzen schwankt. Die Droge wirkt keimhemmend und antiseptisch. Man verwendet das Öl als antiseptischen und zugleich aromatischen Zusatz für Gurgel-, Mund-, und Rasierwässer. Die örtlich reizenden Eigenschaften als Rubefaziens nutzt man aus, indem man Thymol in Salben und andere Einreibemittel einarbeitet."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)
"Thymol: In Salben, verdünntem Alkohol oder Glyzerin inkorporiert, in Konzentrationen von 0,25 bis max. 40% wurde Thymol früher sehr häufig als juckreizstillendes Mittel verwendet. Durch Zusatz von Zitronensäure versuchte man, die juckreizstillende Wirkung zu erhöhen.
Rezept: Thymol 1,0; Acidum citricum 1,0; Spiritus dilutus ad 100,0."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)