"[III.88. - Ammoniakum] - Ferula tingitana (Umbelliferae)
Das Ammoniakon [es ist eine Krautpflanze, von der das Rauchwerk Ammoniakum stammt; Einige nennen sie Agasyllon, Andere Kriotheos, Heliustros, die Römer Gutta], auch dieses ist der Saft eines Steckenkrautes, welches in Libyen bei Kyrene wächst. Ihr ganzer Strauch samt der Wurzel wird auch Agasyllis genannt. Für besser gilt, was eine gute Farbe hat, holz und steinfrei ist, Körner wie Weihrauch hat, rein und fest ist, keinen Schmutz enthält, nach Bibergeil riecht und bitter schmeckt. Ein solches heißt Thrausma (Bruch), das aber Erde oder Steine enthaltende heißt Phyrama. Es entsteht in Libyen bei Ammon als Saft eines steckenkrautähnlichen Baumes. Es hat erweichende, reizende, erwärmende Verhärtungen und Geschwülste zerteilende Kraft. Genossen regt es den Bauch etwas an und treibt den Embryo aus. Zu 1 Drachme mit Essig getrunken erweicht es die Milz und lindert Glieder- und Ischiasschmerzen. Es hilft auch bei Asthma, Orthopnöe, Epilepsie und Brustwasser, wenn es entweder mit Honig als Leckmittel genommen oder mit Gerstenschleim geschlürft wird. Es treibt aber Luch blutigen Harn. Ferner verwischt es weiße Flecken auf den Augen und vertreibt Rauheiten der Augenlider. In Essig gelöst und aufgelegt erweicht es Verhärtungen der Milz und Leber. Weiter bringt es, als Umschlag mit Honig oder Pech gemischt, Gelenkknoten zum Verschwinden. Endlich wirkt es als stärkende Salbe gegen Ermattung und Ischias, wenn es mit Essig, Natron und Kyprosöl gemischt eingerieben wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)