"[I.91. - Terebinthe] - Pistacia terebinthus (Anacardiaceae) - Terpentinpistacie
Die Terpentinpistacie ist ein bekannter Baum; seine Blätter, Frucht und Rinde sind zusammenziehend und eignen sich zu dem, wozu auch die Mastixpistacie dient, wenn sie auf gleiche Weise zubereitet und angewandt werden. Ihre Frucht ist essbar, dem Magen (aber) schädlich, harntreibend, erwärmend, sie ist das beste Reizmittel zum Liebesgenuss. Mit Wein getrunken dient sie gegen den Biss giftiger Spinnen. Das Harz aus derselben wird aus dem steinigen Arabien bezogen; es entsteht aber auch in Indien, Syrien, auf Kypern, in Libyen und auf den kykladischen Inseln. Den Vorzug verdient das mehr durchsichtige, weiße, an Farbe dem Glase ähnliche und dunkelbläulich schimmernde, nach Terpentin duftende. Unter allen Harzen nimmt daher das der Terebinthe die erste Stelle ein, nach ihm kommt der Mastix, dann das Fichten- und Tannenharz, nach diesen zählt das Kiefern- und Strobilosharz. Sämtliches Harz ist erweichend, erwärmend, verbreitend, reinigend, dienlich bei Husten und Schwindsucht als Leckmittel für sich allein oder mit Honig, es ist auch ein Expectorans. Ferner ist es harntreibend und verdichtend und erweicht den Leib. Weiter dient es zum Zusammenkleben der Haare an den Augenlidern und mit Grünspan, Kupfervitriol und Natron gegen Aussatz, mit Honig und Öl gegen eiterige Ohren und gegen Jucken an den Geschlechtsteilen. Es wird auch den Pflastern, Umschlägen und Salben zugemischt. Endlich hilft es auch bei Seitenschmerzen für sich allein eingeschmiert oder aufgelegt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[V.39. - Terebinthenwein]
Auch der Terebinthenwein wird auf gleiche Weise bereitet, denn auch bei diesem werden die fruchttragenden Zweigspitzen genommen. Sie (die Weine) haben ähnliche Wirkung; sie sind adstringirend und gut für den Magen, ein gutes Mittel gegen Fluss des Magens, der Eingeweide, der Blase und bei Blutflüssen. Sie vernarben allen nässenden Geschwüre. Endlich heilen sie als Sitzbad angewandt Blasen- und Afterrheumatismus."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)