"Von diesen schönen, meistens immergrünen Gewächsen, die man nicht unpassend die Palmen des Nordens genannt hat, gibt es nicht nur eine ansehnliche Zahl von Arten, sondern sie bilden auch im Norden von Europa, Asien und Amerika grosse dichtgeschlossene Wälder, die der linienförmigen steifen Blätter wegen Nadelhölzer oder Nadelwaldungen heissen. Pflanzen von so auffallendem Baue, wie diese Zapfenträger (Coniferae), müssen sehr bald die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben , und wir finden sie daher vielfältig in die Mythologie der Griechen und Römer verflochten. Hier mögen folgende eine Stelle erhalten:

4) Die Fichte des Hymenaeus, Pinus pronuba der Alten, die allbekannte Rothtanne, Pinus picea du Roi Linne nannte sie Pinus Abies, Poiret Pinus excelsa und Decandolle Abies excelsa. Dieser Baum wächst nicht nur auf den Gebirgen von Griechenland und Italien, sondern auch in Deutschland und noch hoher nach Norden hinauf; er bedarf, als zureichend bekannt, keiner näheren Beschreibung.
Besonders reich ist diese Fichte an brennbaren Materien (Kienholz), auch wird sie vorzugsweise zur Bereitung des Harzes und Peches benutzt. Ihr fettes Holz ist daher vor allen andern zu Fackeln geschickt; sie lieferte allem Ansehen nach die „Hochzeitsfackeln“, in deren Schein im Alterthum die Braut des Abends zum Bräutigam geführt wurde.
Aber wie nahe gränzt Freude an Leid! Bei Sterbfällen steckte man zum Zeichen eine Fichte an die Thüre und mit Fichtenholz verbrannten die Alten ihre Todten, so wie ihnen dasselbe auch als ein Reinigungsmittel diente. Mit Fichtenharz statt Olibanum räuchert man noch heut zu Tage in den katholischen Kirchen."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)