"Abies (Pinus abies) Die Tanne ist mehr warm als kalt und vereinigt in sich viele Kräfte. Sie ist ein Bild der Tapferkeit. Wo das Tannenholz ist, kann kein Zauber Platz greifen. Aus der Rinde, den Blättern und dem Holze des frischen noch saftführenden Baumes, also im März bis Mai, welche mit Salbei in Wasser bis zur dicklichen Consistenz eingekocht werden, soll nach dem Koliren durch Zusatz von Maibutter eine Universalsalbe bereitet werden. Bei Husten und Lungenleiden soll das frische Saftführende Holz zu Asche verlbrannt, diese Asche dann mit Pimpinelle, Fenchel und Süssholz in Wein gekocht und durch Koliren zu einem reinen Tranke bereitet werden. Bei Krebsleiden soll der Tannensame auf einem heissen Steine zu Pulver verarbeitet und dieses auf die Wunde gestreut werden. Bei Anschwellung und Entzündung der Lippen und des Mundes soll der auf einem Bissen Stein erwärmte Same aufgelegt werden."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)