"Nicotin: Die Substanz ist das Hauptalkaloid der Blätter von Nicotiana tabacum und anderer Nicotiana-Arten. Es handelt sich um eine farblose, hygroskopische, ölige Flüssigkeit von deutlich alkalischer Reaktion, mit brennendem Geschmack. Ganz reines Nicotin riecht kaum. Beim Stehen an der Luft verfärbt sich die Flüssigkeit erst gelb, dann dunkelbraun, sie entwickelt dabei einen Geruch nach Pyridin.
Die Droge wird in technischem Maßstab durch Extraktion aus Tabakabfällen gewonnen, die bei der Herstellung von Zigaretten, Zigarren und Pfeifentabak in großen Mengen anfallen. Sie ist ferner Nebenprodukt bei der Herstellung nikotinarmen Tabaks. Behandelt man Tabak mit Ammoniak und Wasserdampf, so kann der Nicotingehalt vermindert und gleichzeitig Nicotin isoliert werden.
Rationale Anwendungsgebiete für Nicotin sind in der Medizin keine bekannt. Angeboten werden Nicotinpräparate als Tabakentwöhnungsmittel. Sie enthalten 2 oder 4 mg Nicotin, das an ein Retardierunsmittel gebunden, in Kaugummimasse inkorporiert ist. Als unerwünschte Wirkungen nach dem Kauen wurden schmerzende Kiefer, leichte Übelkeit, Mattigkeit und Kopfschmerz beschrieben."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)