Nicotiana tabacum
"Den Namen Nicotiana trägt diese wichtige Pflanze aus dem Grunde, weil Jean Nicot, der
französische Gesandte am portugiesischen Hofe, zuerst Nachricht von dem Tabak (der nach Anderen
schon anno 1496 einem spanischen Mönche auf St. Domingo bekannt gewesen seyn soll) erhielt,
und zwar im Jahre 1560, als er nach Lissabon reiste. Er machte sie sogleich in Lissabon,
und bald darauf auch in Frankreich bekannt. Nach Italien kam sie später, und noch später nach
Deutschland. Der Name Tabak stammt wahrscheinlich von der Insel Tabago im mexicanischen
Meerbusen her. Nach Andern soll der Name von der Provinz Tabaca in St. Domingo herrühren. ...
In den Arzneischatz sind nur die Blätter (Herba Nicotianae) aufgenommen worden, aber auch
diese haben, wie bekannt, viel mehr Anwendung bei den Tabaks-Rauchern und Schnupfern erhalten,
als in der Medizin. Die Tabaksblätter werden im Großen gewonnen. Bei uns verpflanzt
man die in Mistbeeten aus Samen gezogenen Pflänzchen im Mai ins freie Land, gewöhnlich in guten
Boden, und häufelt die Erde sorgfältig um jedes einzelne Pflänzchen. Im Juni köpft man sie
und bladet sie unten ab. Im August sind sie dann ausgewachsen, werden für den Tabakshändler
abgeschnitten und getrocknet, wobei es mehrere eigne Bereitungsarten giebt, das Schwitzen und
Trocknen zu erzielen.
Der vorwaltende Bestandtheil in dem Tabak ist der merkwürdige Tabakskampfer (Nicotianin).
... Dieser in weißen krystallinischen
Blättchen erscheinende, in der Wärme sich verflüchtigende Stoff reagirt weder sauer noch alcalisch
ist in Wasser wenig, aber leicht in Weingeist und Äther löslich, riecht milde nach Tabak, schmeckt
aromatisch, aber nicht scharf und wirkt auch durchaus nicht narkotisch. Die narkotische, sehr heftige
Wirkung verdankt der Tabak dem oben erwähnten, sehr eigentümlichen Nicotin , welches
Geiger so trefflich untersucht hat. Es ist eine ölartige, farblose, in der Hitze flüchtige Flüssigkeit,
welche schwerer als Wasser ist, beim Erwärmen sehr scharf und lange anhaltend tabakartig
schmeckt, und so giftig wirkt, dass schon ein Viertel Tropfen ein Kaninchen, und ein Tropfen
einen Hund tödtete. Es ist in Wasser, Weingeist, Äther und fettem Öle gleich gut löslich.
Da die Wirkungen des Tabaks sowohl in der Abkochung, als auch im Extracte und im Pulver so
heftig sind, namentlich leicht Schwindel, Betäubung und alle Zeichen einer narkotischen Vergiftung
leicht hervorbringen, so wendet man ihn nur selten an, höchstens noch zu eröffnenden Klystiren
bei hartnäckigen Verstopfungen und zu Waschwassern (1 Unze Tabak auf 8 Unzen Wasser) bei
Hautausschlägen. Der diätetische Gebrauch des Rauch- und Schnupf-Tabaks ist dagegen sehr zu
empfehlen, namentlich der erstere bei obstruirten und an Hämorrhoiden leidenden Personen und
der letztere als ableitendes Mittel bei Augen- und Gehörkrankheiten. Der übermäßige Gebrauch
dieser Mittel ohne Indication ist nicht ohne Nachtheil."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Zwölfter Band. 1833)