"Glycyrrhetinsäure: Süßholz enthält bis zu 10% süß schmeckendes Glycyrrhizin, ein glykosidisches Triterpen, das nach Säurehydrolyse Glycyrrhetinsäure liefert. Sowohl die Süßholzwurzel selbst, als auch die Glycyrrhetinsäure haben arzneiliche Bedeutung.
Glycyrrhetinsäure als Handelsprodukt ist ein weißes oder schwach cremefarbenes Pulver, das sich in Wasser sehr schwer, in Ethanol und Chloroform leicht löst. Es besitzt eine bemerkenswert bakteriostatische Wirkung gegenüber Bacillus anthracis (den Erreger des Milzbrandes), Diphteriebakterien, Staphylococcus aureus, Streptococcus faecalis u.a.m.
Anwendung: Die Droge wirkt als Hautgel, Lotio oder Salbe (1-1,5%ig) bei entzündlichen Hautkrankheiten; in der Kosmetik in Cremes für unreine und gerötete Haut, als Zusatz zu Mundwässern, Zahnpasten und Gesichtsmasken. In Form des besser wasserlöslichen Bernsteinsäurehalbesters wird Glycyrrhetinsäure zur Ulkustherapie verwendet. Menge und Viskosität des Magenschleims wird erhöht, was einen verbesserten Schutz gegen die Säure bedeutet; bei Patienten mit Magengeschwür (Ulcus ventriculi) wird die Zeit bis zum Abheilen der Geschwüre verkürzt.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Süßholzwurzel: Die Droge besteht aus den Wurzeln und Ausläufern süß schmeckender und gelb gefärbter Varietäten von Glycyrrhiza glabra.
Die Pflanze liebt sandige Böden und findet sich auf Ödland, in ausgetrockneten Flusstälern und Überschwemmungsgebieten (Wolga). Natürliche Bestände sind so reichlich, dass es nur noch wenige Gebiete mit Süßholzkulturen gibt (in Spanien im Ebrustal bei Tortosa, in Italien auf Sizilien). Zur Ernte werden die Wurzeln und Ausläufer älterer Pflanzen - in Kulturen die der drei- bis vierjährigen Pflanzen - mit Hacken ausgerissen oder man pflügt den Boden um und sammelt die Wurzeln mit der Egge. Das Erntegut wird gewaschen und an der Luft getrocknet.
Der Handel unterscheidet: Spanisches Süßholz (var. typica), Russisches Süßholz (var. glandulifera), Chinesisches Süßholz (spielt auf dem europäischen Markt eine wichtige Rolle) und Türkisches Süßholz (var. glandulifera). Die Droge hat einen schwachen, charakteristischen Geruch und schmeckt auffallend süß, mit leicht bitterem Nebengeschmack, oft auch etwas kratzend.
Süßholzwurzel enthält Isiliquiritosid (Isoliquiritin), das bei der Herstellung von Extrakten und von Lakritze weitgehend zum Aglykon hydrolysiert. Am isolierten Muskelpräparat zeigen aglykonische Chalkone (gelbe Pflanzenfarbstoffe) eine papaverinartige, spasmolytische Wirkung, auch quantitativ in etwa der Papaverinwirkung entsprechend.
Verwendet wird Süßholzwurzel als Schnittdroge zur Herstellung eines Infuses, als Kombinationspartner in industriell hergestellten Teemischungen, zur Herstellung von Süßholzextrakten (Succus Liquiritiae), und zur Herstellung von Lakritze. Die Droge gilt als bewährtes Expektorans mit sekretolytischer und sekretomotorischer Wirkung. Zugleich wird vermutet, das Glycyrrhizin würde auf dem Reflexweg Schleimsekretion und Schleimtransport in den Bronchien erhöhen. Es wirkt auf die Magenschleimhaut reizmildernd, wie seine Anwendung bei Ulcus ventriculi bezeugt. Kauen von Lakritze oder Lakritzebonbons könnte den Hustenreiz beeinflussen, der vom Rachenraum und den oberen Luftwegen ausgeht.
Nützlich sind Süßholz und Süßholzextrakte als Geschmackskorrigenzien für Arzneimittel, die schlecht schmeckende oder Brechreiz hervorrufende Arzneistoffe enthalten, wie beispielsweise Ammoniumchlorid, Natriumjodid, Chinin oder Extrakt aus amerikanischer Faulbaumrinde.
Übermäßige Zufuhr kann zu Herzbeschwerden mit Bluthochdruck, Hypokaliämie, Ödem, Kopfschmerzen und allgemeiner Schwäche führen. Dosierung: 3 x täglich 1,0-2,0 g Droge pro Tasse Wasser als Infus, oder 0,5-1,0 g Süßholzextrakt.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)