"Die Süßholzwurzel , Radix dulcis des Cornelius
Celsus, wird in den meisten Officinen Europens aufbewahrt,
und von den Aerzten häufig verordnet, ja sie
ist selbst dem gemeinen Manne bekannt. Ohne großen
Widerspruch zu fürchten glaube ich annehmen zu dürfen
, dass die hippokratische süße Wurzel mit der des
Dioscorides synonym ist. Letztere deutet Sprengel auf
Glycirrhiza glabra L. , worin ich aber nicht beistimme,
denn Dioscorides vergleicht die Frucht mit der des
Platanus, ja sie sey noch rauher ; nun sind die gedrängt
stehenden, geschnäbelten Karyopsen der Platane wirklich
rauh anzufühlen, die Frucht des gemeinen Süßholzes
aber ist sehr glatt ; daher auch schon Mathiolus ein
Süßholz mit stachlichten Früchten, die ihm ein Nürnberger
Arzt geschickt hatte, abbildet, und die vielleicht
Glycirrhiza echinata L. ist, welche offenbar besser zu der
Beschreibung des Dioscorides passt. Es bleibt aber
noch ein Zweifel, denn Dioscorides gibt seiner Pflanze
fett anzufühlende, klebrige Blätter, die der G. echinata
sind aber glatt. Ich glaube daher dafür Glycirrhiza
glandulifera W. et Kit. annehmen zu müssen,
auf welche die Beschreibung des Dioscorides in allen
ihren Theilen passt, und nur noch des Standortes wegen
sich Zweifel erregen ließen.
Dem sey nun wie ihm wolle, so ist doch so viel gewiss,
dass die hippokratischen Aerzte das Süßholz wenig
brauchten und nur an einem Orte von der äußern
Anwendung desselben mit Honig oder Rosensalbe die
Rede ist."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)