"Gemeines Süßholz, Lakritzenholz.
Wächst in Italien, Sicilien, Frankreich, Spanien, so wie auch in Ungarn auf Auen und in Vorhölzern.
Blühet im Julius und August.
Es gehört diese Wurzel zu den zuckerartigen Avzneymitteln und man bedient sich ihrer als Brustmittel den zähen Auswurf zu befördern ; auch giebt man sie in Krankheiten der Urinwege. Man verordnet sie in Pulver zu einer halben oder ganzen Drachme. Da das Pulver sich aber sehr auflockert und der großen Menge wegen übel zu nehmen ist: so giebt man sie lieber zu 2 bis 3 Drachmen in der Abkochung oder im Aufgusse, wovon letzterer, da er weniger von dem kratzenden Öhle aufnimmt, angenehmer von Geschmack ist.
Der Lakritzensaft, Succus Liquiritiae, der in Rollen, welche in Loorbeerblätter gepackt sind, zu uns kommt, wird in Sicilien, Spanien, und zwar am besten in Catalonien, bereitet. Er wird durch Auskochen und Auspressen der zermalmten Wurzeln und durch Eindicken des Flüssigen erhalten, wobey ihm aber auch wohl ein Zusatz von Kirsch- oder Pflaumengummi gemacht werden soll. — Als der eigentlich wirkende Bestandtheil der Süßholzwurzel hat er mit derselben gleiche Kräfte, und wird auch in ähnlichen Fällen angewendet."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Sechster Band. 1855.)