"[II.200. - Speisezwiebel] - Muscari comosum (Liliaceae) - Schopfhyacinthe
Die Speisezwiebel, welche wir essen, ist allbekannt, dem Magen und Bauche bekömmlich ist die rote und aus Libyen bezogene. Die bittere und der Meerzwiebel ähnliche ist noch besser für den Magen und befördert die Verdauung. Alle sind sie scharf und erwärmend; sie reizen auch zum Beischlaf, machen die Zunge und die Drüsen rau, sind sehr nahrhaft und fleischbildend und verursachen Blähungen. Als Kataplasma sind sie wirksam bei Krämpfen, Quetschungen, (eingedrungenen) Splittern, auch bei Gelenkschmerzen, Krebsgeschwüren und Podagra, sowohl mit Honig als auch für sich allein, ebenso bei Ödem der Wassersüchtigen und bei Hundsbissen; in gleicher Weise als Umschlag mit Honig und fein gestoßenem Pfeffer beruhigen sie Magenschmerzen. Mit geröstetem Natron heilen sie Kleiengrind und bösen Schorf. Sie vertreiben ferner Sugillationen unter den Augen und Finnen für sich allein oder mit Eiweiß ebenso Leberflecken mit Honig oder Essig. Gegen Ohrenleiden und gequetschte Nägel (helfen sie) mit Graupen. In heißer Asche gebraten vertreiben sie Feigwarzen, auch mit den gebrannten Köpfen der Maena als Umschlag. Gebrannt und mit Alkyonion gemischt vertreiben sie Sonnenbrandflecken und schwarze Narben, wenn sie in der Sonne damit bestrichen worden. Mit Essig gekocht und genossen wirken sie gegen innere Rupturen. Man muss sich aber vor einem Übermaß im Genauso derselben halten, weil sie die Nerven angreifen. [Mit Grütze und Schweinefett gekocht und aufgelegt bringen sie Ödeme und Geschwüre zum Eitern und reißen sie auf.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)