"Styrax officinalis
"Styrax officinalis ist das Gewächs, von welchem der feste Storax herstammen soll. Man meint nämlich, dass durch Einschnitte in die Rinde dieses Harz sich ergieße und dann an der Luft sich verdicke, oder, wie andre wollen, dass dies nach dem Stiche eines großen Insects erfolge. Bis jetzt lässt sich aber noch nicht mit Gewissheit annehmen, dass Styrax officinalis wirklich die Mutterpflanze des gedachten Harzes sey. Auch Ehrenberg, der dieses Gewächs als einen großen, baumartigen Strauch in Menge bey Bairut in Syrien sah, konnte in dortiger Gegend über das Sammeln des Storax keine befriedigende Nachricht einziehen, da die Sammler solcher Gegenstände ihr Geschäft geheim halten und daher sich nicht darüber aussprechen, und von den übrigen der dortigen Bewohner, die sich nicht darum bekümmern, nichts zu erfahren ist; dennoch will er der Meinung, dass der Storax von Styrax officinalis abstamme, nicht widersprehen.
Von dem festen Storax sind drey Sorten bekannt geworden. Die erste Sorte, welche Storax in Körnern, Storax in granis , heißt, kommt in kleinen erbsengroßen, gelblichen durchscheinenden, sehr reinen Körnern vor, und scheint von selbst aus dem Baume geflossen zu seyn. Die zweyte Sorte, Storax in Stücken, Storax in massis — früher wohl mit dem Namen Storax Calamitu bezeichnet, weil er ehedem in Schilf gepackt zu uns kam —, wird jetzt meist in Blasen verschickt, und besteht aus ungefähr zolldicken, braunen, röthlichen, gelben, weißen, gleichsam zusammengeflossnen, in der Wärme klebrig werdenden Stücken, und soll durch Einschnitte in die Rinde des Baumes gewonnen werden. Die dritte Sorte, der gemeine Storax, Storax vulgaris, Scobs storacina — jetzt aber gewöhnlich Storax Calamita genannt , erscheint in großen , oft mehrere Pfunde schweren, hellbraunen, fast torfähnlichen, leicht zerreiblichen Stücken, denen man es deutlich ansieht, dass sie aus Sägespänen zusammengepresst sind und ihren Zusammenhang durch eine harzige Substanz, den Geruch aber durch etwas echten Storax oder Perubalsam erhalten haben ...
Die erste und zweyte Sorte besitzen einen sehr angenehmen, der Vanille und dem Perubalsam ähnlichen Geruch und einen brennenden Geschmack. Der echte Storax besteht aus Harz, Benzoesäure und ätherischem Öhle. Zum Arzneygebrauch wird der Storax jetzt nur noch äufßerlich angewendet z. B. zu Räucherungen, Pflastern, Salben u. dgl."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Elfter Band. 1830)