"Kleinblumiges dreyfarbiges Veilchen, zweyfarbiges Veilchen, kleines Stiefmütterchen.
Wächst in ganz Deutschland und den übrigen Ländern europens auf Äckern, Brachäckern und Gartenland.
Blühet vom May bis in den October.
Gewöhnlich kommt diese Abart mit weißer und gelber, oder weißer und blauer, oder auch gelber und blauer Blumenkrone vor, weßhalb sie von einigen ältern Botankern Viola bicolor genannt wurde; nicht selten aber sieht man sie mit einer Blumenkrone, die weiß, gelb und blau zugleich gefärbt ist.
Wenn gleich nur die folgende Abart als Arzneymittel empfohlen worden ist: so ist doch auch diese häufig gesammelt und angewendet worden, indessen soll sie sich, wie man in Schweden beobachtet haben will, nicht ganz so wirksam gezeigt haben."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dritter Band. 1815.)

"Grofs blumiges drey farbiges Veilchen, Stiefmütterchen, Dreyfaltigkeitsblume , Tag und Nachtblume, Siebenfarbenblümlein, Gedenkblümlein, Freysamkraut, Hungerskraut, Glarböcklein, unnütze Sorge.
Wächst in ganz Deutschland und den übrigen Ländern Europens auf Äckern, Brachäckern und Gartenland.
Blühet vom May bis in den October.
Von dieser Abart der Viola tricolor wird die ganze Pflanze im blühenden Zustande gesammelt und unter dem Nahmen Herba Jaceae s. Trinitatis s. Fiolae tricoloris als Arzneymittel aufbewahrt.
Im frischen Zustande hat das Kraut einen schleimigen, etwas scharfen Geschmack. Auch soll durch die Destillation mit Wasser eine geringe Menge ätherischen Öhls, das auf dem Wasser schwimmt, nach Pfirsichkernen riecht und einen etwas scharfen Geschmack besitzt, erhalten werden können. Hiernach zu urtheilen, sind die vorwaltenden Bestandtheile dieses Gewächses Schleim, etwas scharfer Grundstoff und eine Wenigkeit ätherischen Öhls.
Es ist harntreibend, in größern Dosen aber purgierend und Brechen erregend. Schon in frühem Zeiten ist es von mehreren Ärzten in Krankheiten der Haut empfohlen worden, und in neuern hat es Strack als ein specifisches Mittel wider den Milchschorf der Kinder in Aufnahme gebracht. Mehrere Ärzte haben nachher die guten Wirkungen dieses Mittels bestätigt; einige hingegen haben es, allein ohne andre Mittel gebraucht, nicht zureichend oder gar unwirksam gefunden."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dritter Band. 1815.)